DAS Abenteuer Roth 2014

Die Worte in dieser Farbe sind von Karina.
Die Worte in dieser Farbe sind von Helge.

Vor dem Rennen

OH man war ich im Arsc….. Völlig durch den Wind! Wie gegen die Tür gerannt! Samstag war mir einfach nur nach Heulen. Mit jeder vergehenden Stunde wurde klarer: ES WIRD HEIß WERDEN. Das es ein langer Tag werden würde, stand ja schon länger fest. Aber bei den Temperaturen erschien mir eine Langdistanz völlig unmöglich. Ich verlor mit jeder Stunde den Glauben an das Happy End. Beim Rad Checkin ging ich mit Karina und Frank noch kurz die Wege ab. Schwimmausstieg -> Wechselbeutel -> Wechselzelt -> Rad …. Einfach Wege abgehen und einprägen. Weil da liegen 4000 Wechselbeutel und da stehen 4000 Räder. Wahnsinn. Ich kam mir so klein und unscheinbar vor in der Menge. Und wollte schon wieder heulen.
Ich bekam gefühlte 1 Million Emails, SMS, WhatsApp Nachrichten und andere Benachrichtigungen. Es gab so vielen Leute, die an uns dachten. Die Daumen drückten. Glück wünschten. Der Druck wurde mit jedem Wunsch gefühlt schlimmer.
Die Nacht zum Sonntag fiel aus. Schlaf, wo bist du nur gewesen?  Meine Gedanken rasten durchs Triathlonuniversum. Jeder Versuch, an was anderes zu denken, scheiterte nach 2 Sekunden. Um 3 Uhr klingelt zum Glück der Wecker. Frühstück und ab mit Karina und Frank in die Wechselzone. Die Stimmung, die über der aufwachenden Wechselzone neben dem Kanal liegt, macht alles noch schlimmer. Es ist so unglaublich großartig, das mir einfach die Tränen kommen. Beim Abschied von Andi musst ich schon wieder heulen. Ich will einfach nur schreiend weglaufen. Ich will weg von diesem Ort wo ich so gerne sein will. Versteht das jemand?
Wir sitzen im Rasen und lassen Gedanken und Blicke schweifen. Alles wie im Traum, nur weniger real. Und wir warten zusammen mit Gabi, Peter und anderen darauf, das es los geht. Es ist kaum auszuhalten. Wie eine Zerreißprobe.
Peter, der vor uns startet wird herzlich verabschiedet, dann verabschieden wir uns von Frank, der nach uns startet.
Und auf geht es zum Start. Gleich geht es los. Zurück geht nicht mehr. Jetzt soll es also geschehen.

Kurzfristig hatten wir beschlossen, doch schon Freitag Früh loszufahren. Wir trafen auf einem Parkplatz dann noch unsere Supporter Kessie, Gerd, Hans-Jörg, Inge, Markus, Edith und Carmen, die auch startete.  Mit 4 Autos machten wir uns dann auf den Weg und kamen relativ zügig voran, so dass wir noch ganz entspannt unsere Startunterlagen abholen konnten. Die Nudelparty nahmen wir dann auch noch mit. Es waren unglaublich viele Menschen dort. Aber alles funktionierte reibungslos. Am Samstag Morgen durfte man im Kanal Testschwimmen. Das wollte ich nutzen, um die Orientierung, Sicht usw. zu testen.  So sind Helges GöGa Andi, Kessie, Hans-Jörg, Gerd und ich noch vor dem eigentlichen Frühstück los. Ja, auch die Supporter wollten sich etwas sportlich betätigen. Es sollte der heisseste Tag der Woche werden und das haben wir um 6:30 Uhr morgens schon gemerkt. Trotzdem zwängten wir uns in die Neoprenanzüge und schwammen so 40min. Das Wasser war ziemlich warm und leider auch voller Gras, da die Böschung am Ufer für die Zuschauer abgemäht wurde und natürlich alles im Wasser landete. Das machte das Schwimmen ziemlich unangehm, wenn man ständig irgendwelche Grashalme zwischen den Zähnen entfernen musste 🙂 . Aber da nach dem Testschwimmen die Schleusen wieder geöffnet wurden und der Schiffsverkehr wieder lief, sollte das Wasser am Sonntag dann wieder vom Heu befreit und hoffentlich etwas kühler sein. Danach ging es wieder zurück ins Hotel, wo es dann erstmal richtiges Frühstück gab. Danach fuhren wir alle nach Roth zum Zielbereich, um etwas über die Messe zu schlendern, den ein oder anderen Einkauf zu tätigen, viele Bekannte zu treffen und weitere riesige Berge von Kohlenhydraten zu verdrücken. Wieder zurück im Hotel bereitete ich mein Rad und den Laufbeutel vor, denn die mussten ja noch heute eingecheckt werden. Nach einem kurzen Schläfchen fuhren wir mit den Rädern die 18km zum Schwimmstart. Ein letzter Materialtest ergab, dass sich meine Schaltung irgendwie komisch anhörte. Sie funktionierte, aber irgendwas klapperte. Nach ein paar Kilometern war es wieder weg. Das sich die Beine etwas schwer anfühlten, ist glaube ich am Tag vor dem Wettkampf normal. Das ist bestimmt nur Kopfsache. Die Radabgabe ging Ruckzuck. Die Wechselzone war riesig. Unsere Männer holten uns dann ab und dann ging es (natürlich nach einer weiteren Dusche – es war echt unertäglich heiss ) auf in eine Pizzeria. Dort trafen wir dann auch auf Luis, Nicole und Volker, die uns auch unbedingt unterstützen wollten und das obwohl Nicole erst vor kurzem eine Fuss-OP hatte und noch nicht so gut gehen kann. Es gab dann noch für jeden ein orangenes Shirt. So konnten wir unsere Unterstützer schon von weitem am Strassenrand erkennen. Es hervorragend funktioniert. Nach dem Packen des Radbeutels und des AfterRace Beutels versuchte ich irgendwie zu schlafen. Naja, hat nicht wirklich funktioniert.  Aber das hatte uns Marc ja schon prophezeit. Dazu kam noch die Hitze. Nach vielleicht 2 Stunden Schlaf klingelte der Wecker um 3 Uhr. Ich war sofort hellwach. Aufregung? Nein. Anspannung? Ja. Dass das Frühstück nicht sehr ausgiebig war, kann sich jeder vorstellen. Aber wir hatten vorsorglich noch was zu Essen eingepackt, was wir dann vor dem Schwimmen noch zu uns nehmen wollten. Gegen 4 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Schwimmstart. Es war noch ziemlich wenig los. Aber wir konnten ja eh nicht gut schlafen, also können wir auch zeitig am Start sein. Ein anderer Grund war aber auch, dass die Männer sonst mit dem Auto nicht mehr weggkommen wären. Sie fuhren wieder das Auto nach Roth und machten sich von dort mit den Rädern auf den Weg an die Strecke. Wir legten letzte Hand an unsere Räder, platzierten den Radwechselbeutel und setzten uns dann ins Gras, um dem ganzen Treiben zuzuschauen und die ganzen Eindrücke aufzunehmen. Nachdem wir unsere Neo´s anhatten, nahm uns die weltbeste Physiotherapeutin  Gabi quasi an die Hand und ging mit uns zum Schwimmstart. Angeblich hatte das Wasser 21,9 Grad – gefühlt waren es 25 Grad. Gabi „zwang“ uns ganz nach vorne in die erste Startreihe. Das habe ich beim Schwimmen noch nie gemacht, weil ich immer Angst habe überschwommen oder verprügelt zu werden. Ich hatte aber gar keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen, denn plötzlich hieß es nur noch 1 min bis zum Start.

Schwimmen

Startschuss! Endlich. Wir sind ziemlich weit vorne. Gabi ist schräg vor mir. Karina direkt neben mir. Das ist wie im Training. Jetzt kann nix mehr schief gehen. Ich fühle mich endlich wieder gut. Weil jetzt kann ich endlich vorwärts. Karina neben mir ist immer gut zu erkennen, da wir die gleiche, ziemlich auffällige Schwimmbrille haben.
Nach dem der anfängliche Stress vom Start sich gelegt hat, suche ich mir Füße zum Folgen. Ich brauche für die innere Ruhe und die Konzentration etwas, dem ich mit den Augen folgen kann. Ich habe meine Füße also gefunden und folge der sehr angenehm schwimmenden Schwimmerin.
Irgendwann ist Karina plötzlich weg. Ob sie nach vorn oder hinten verschwunden ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, ich werde sie irgendwann wieder sehen 🙂
Das Schwimmen klappt sehr gut. Ich empfinde es als kurzweilig und problemlos. Den Füßen kann ich bis ca. 500 m vor dem Austieg folgen, dann gibt die Besitzerin der Füße richtig Gas. Ich entschließe, einfach locker weiter zu schwimmen. Es gibt keinen Grund zur Eile. Der Weg ist noch lang.
Plötzlich bin ich auch schon da und werde aus dem Wasser gezogen. Na gut, das das Schwimmen nicht schwer wird, war zu erwarten, aber es ist ein gutes Gefühl, Teil 1 erledigt zu haben 🙂
In der Wechselzone lasse ich mir Zeit. Brötchen essen, Radklamotten anziehen, zur Toilette gehen … ich verstehe gar nicht, warum die alle so rumhetzten dort 😆
So treffe ich auch Karina wieder. Sie ist zwar etwas langsamer geschwommen, aber beim Wechsel kann sie alles etwas schneller als ich.
Damit können wir quasi fast gleichzeitig auf die Radstrecke.

Und dann ging es auch schon los. Keine Zeit mehr, noch über irgendwas nachzudenken oder Aufregung aufkommen zu lassen. Da in unserer Startgruppe nur Frauen waren, gab es nicht ganz soviel Prügelei, wie bei gemischten Startgruppen. Ich kam ganz gut weg und versuchte, die erste paar hundert Meter neben Helge zu bleiben. Es gibt einem ein gutes sicheres Gefühl, ein bekannstes Gesicht neben sich zu wissen. Im Training hatten wir das ja schon ausprobiert. Uns war klar, dass das nicht die ganzen 3,8km funtionieren würde, aber um ins Rennen zu kommen, war es perfekt. Irgendwann liess ich Helge dann ziehen und versuchte meinen eigenen Rhythmus zu finden. Das Feld zog sich auseinander und e sgab mehr Platz. Ich konnte dann tatsächlich in die 3er Atmung übergehen und bemühte mich ruhig und gleichmäßig zu schwimmen und mich nicht schon völlig zu verausgaben. Auf die 2-3 Minuten kommt es auch nicht an, denn der Tag sollte noch lang werden. Also hiess es, Kräfte sparen. Die Orientierung war einfach, einfach nur geradeaus schwimmen, um die Boje, wieder geradeaus zurück, um eine weitere Boje, geradeaus weiter bis zum Ausstieg. Und dann war das Schwimmen plötzlich vorbei. Wechselbeutel geschnappt und ab ins Wechselzelt zum umziehen und vor allen um reichlich Sonnencreme aufzutragen. Ich fühlte mich super, lange nicht so erschöpft, wie nach dem Schwimmen im Kraichgau. Am Bike noch die Riegel und das Rosinenbrötchen 🙂  ins Trikot verfrachtet und weiter ging es. Die Schwimmzeit war ziemlich genau so, wie ich es mir vorher ausgrechnet hatte: 1:16:16h.

Radfahren

Erst mal orientieren und warm fahren. Das warm fahren ist bei mir ganz wichtig. Heißt, die ersten 5 km mal ohne Auflieger locker treten. Nur keine Hektik. Heute ist nicht der richtige Tag für Experimente.
Der Plan ist, alle 10 Km mit kleinen Happen Essen versorgen. Hohe Trittfrequenz und ruhiges Tempo. So wie Isabell. Isabell fährt ein angenehmes Tempo und so fahre ich immer hinter Isabell (natürlich mit dem entspechendem Abstand). Es ist so wie bei den ganzen Trainingseinheiten mit Karina. Sie immer vorne und ich mit Abstand dahinter. Wie im Training. Alles ist gut. Meine Augen folgen also der Ersatz-Karina und ich folge meinen Augen. Ganz einfach. Ich habe keine Uhr und kein Tacho, ich weiß überhaupt nichts über Zeiten oder Geschwindigkeiten. Und das ist gut so. Ich genieße die Fahrt.
Die Strecke ist irgendwie sehr flach. Zu flach für mein Empfinden. Aber die Stimmung ist der Hammer. Und die Hitze ist es ebenfalls. Einfach Hammer wie heiß einem werden kann. Ich habe zum Glück mein Langarm-Shirt an. Die Arme kann man immer wieder schön nass machen und dann hat man lange Kühlung. Bei jeder Verpflegungsstation (aller 20 Km) also Wasser auffüllen, 1 mal Dusche über Kopf und Arme und ordentlich trinken. Das passt.
Beim 1. und einzigen „Berg“ sehe ich Nicole, Volker und Luis. Was eine Freude 🙂
Das tut so gut zu sehen, das man nicht alleine ist.
Dann kommt irgendwann der Solarer Berg. Und mir bleibt ehrlich die Luft weg. Wenn man es nicht erlebt hat, dann kann man es nicht verstehen. Man fährt in eine unglaublich laute Menschenmenge hinein. Man kann nicht schnell fahren, wir fahren ca. 20 Athleten hintereinander aufgereiht wie an einer Kette durch die Massen. Und ich, ich muss schon wieder mit den Tränen kämpfen. Plötzlich berührt mich eine mir unbekannte Frau von der Seite und ruft mir zu: Helge, ganz liebe Grüße von der Natalie. Oh man, Engel Natalie hat tatsächlich einen Weg gefunden, mich hautnah anzufeuern. Das macht den Kampf gegen die Tränen ziemlich aussichtlos.
Nicht weit hinter dem Solarer Berg komme ich an Gerd, Markus, Inge, Kessie und Hans-Jörg vorbei. Sie sind so großartig. Das kann man nicht beschreiben. Und wenig später stehen Andi und Torsten da. Und geben alles. Alle sind da. Ich habe alle gesehen. Und schon gehts auf die zweite Runde.
Meine Beine sind immer noch locker und gut und bisher verlief alles nach Plan. Weiter auf dem Plan steht bei KM 90 eine Pinkelpause. Nur ganz kurz im Wald.
Und ab KM 100 so rum verlasse ich für den Rest der Strecke fast komplett den Auflieger. Ganz einfach aus Sicherheitsgründen. Aufliegerfahren verusacht bei mir Krämpfe beim Laufen. Und das will und kann ich mir nicht leisten heute. Außerdem fahre ich ja eh am liebsten einfach Rennrad 🙂
Durch meine Pause habe ich Ersatz-Karina verloren. Zum Glück ist die Radstrecke voll mit Radfahrern. Ich suche und finde wieder eine Ersatz-Karina. Es geht jetzt etwas langsamer voran. Auf diesen langen flachen Strecken ist das aufrechte Fahren eher etwas ungünstig. Aber wichtig ist einfach, das die Beine gut und locker bleiben. Da steht ja noch ein Lauf an. Der längste meines Lebens.
So fahre ich immer weiter und versuche den Gedanken an den Marathon zu verdrängen. Das klingt nach … zu viel. Also nehme ich mir erstmal vor, einen HM zu laufen. Weil das kann ich ja.
Dann komme ich zur vorletzten Verpflegungsstation. Und da ist Pumpe. Das Wasser ist leer. Die rufen uns das schon von weitem zu. Wasser ist leer, Nachschub kommt gleich. Gut, ich könnte jetzt fluchend weiter fahren wie einige andere, oder aber einfach mal eine Pause machen. Wie ebenfalls einige andere. Der Tag ist lang und die Sonne brennt heiß, was spricht da gegen einen Platz im Schatten zum Ausruhen?
Nix. Und außerdem, meine 3 Flaschen sind komplett leer. Ohne Wasser weiter fahren, wäre sportlicher Selbstmord. Das geht nicht bei diesen Temperaturen. Also setze ich mich zu den anderen Fahrern in den Schatten und lerne viele lustige Leute kennen. Z.B. Ingo. Ingo macht das schon zum 5. mal, aber so langsam war er noch nie. Er sagt, er hat das Gefühl zu verdampfen. Ich finde es cool wie entspannt die meisten das ganze sehen. Der eine versichert den sich ständig entschuldigenden Helfern, das das nicht schlimm ist mit dem Wasser. Man hatte nicht bedacht, das es so heiß würde, das sich alle erstmal das Wasser literweise über den Körper zur Kühlung kippen.
Irgendwann sehen wir einen Traktor mit großem Wasserfass über die Felder anfahren. Ok, das heißt, die Pause ist vorbei. Sobald der Traktor ran ist, fangen wir mit „duschen“ und Flaschen auffüllen an. Irgendwie hat es keiner eilig. Aber irgendwann verabschieden wir uns und gehen dann doch auf die letzten 40 KM der Radstrecke.
Leider ist Ersatz-Karina weg. Aber die paar KM schaffe ich auch alleine 🙂
Beim Ankommen in der Wechselzone sind meine Beine zwar müde, aber keinesfalls erledigt. Ich habe also Teil 2 geschafft und innerlich wappne ich mich für das, was jetzt kommt. Ein Halbmarathon 🙂
Also Radklamotten aus und Sonnencreme überall hin und nochmal was trinken und los gehts.

Sobald ich auf dem Rad sass, schnappte ich mir das Rosinenbrötchen. Ich hätte gerne gewusst, was die Leute dachten als ich da so Brötchen futternd an ihnen vorbei gefahren bin 🙂 . Der Radpart machte mir im Vorfeld ein klitzekleines bisschen Sorgen, da es im Kraichgau überhaupt nicht lief. Deshalb hatte ich beim Tacho die Tempoangabe abgeklebt. Nur die Kilometeranzeige lies ich stehen, da ich ca. alle 15km was essen wollte und am Starssenrand nur volle 10km angezeigt wurden. So bin ich also ganz nach Gefühl gefahren. Die ersten 30km sind relativ flach und gut zum einrollen, bevor bei km 40 der Kalvarienberg in Greding kam. Dort standen dann auch Luis, Nicole und Volker. Dank der Shirts sah ich sie, bevor sie mich sahen 🙂 . Es tat total gut. Als nächstes wartete dann der Solarer Berg. Ich bog um die Ecke und sah: Keine Strasse mehr da – nur Menschenmassen. Wahnsinn! Es war tatsächlich so, dass die Leute erst kurz vor einem die Gasse frei machen. Ein bisschen taten mir die Fahrer hinter mir leid, weil sie nicht überholen konnten und ich ja nun wirklich nicht sehr schnell am „Berg“ bin. Aber da musste sie halt durch. Oben angekommen brauchte ich ein bisschen, um wieder Luft zu bekommen. Denn man wird schon ganz schön gepusht und überpaced ein bisschen. Aber das war es wert. An der nächsten kleineren Steigung im Bereich des Schwimmstartes standen dann unsere anderen Supporter. Kessie hatte sogar ein Plakat für uns gebastelt! Neu motiviert ging es dann in die zweite Radrunde. Im nöchsten Ort standen dann Andi und Torsten, um uns anzufeuern. Es hat unglaublich geholfen unsere Leute an der Strecke zu sehen. Wieder beim Kalvarienberg angekommen, erwischte ich Luis, Nicole und Volker gerade bei der Mittagssiesta, hihi. Sie hatten noch gar nicht mit mir gerechnet. So war es diesmal umgekehrt, indem ich sie angefeuert habe, nicht schlapp zu machen 🙂 . Die Anderen standen diesmal oben am Solarer Berg. Diesmal warn nicht mehr ganz soviele Zuschauer und es war mehr Platz zum Überholen. Und so konnte ich etwas langsamer hoch fahren, immer im Hinterkopf, dass ja noch ein Marathon folgen sollte. Zum Wetter bleibt zu sagen, es war fast unerträglich. Ich habe viele gesehen, die am Strassenrand im Schatten sassen und aufgegeben hatten. Ame Ende hiess es, jeder 5. Teilnehmer wäre ausgestiegen. Ich nahm an jeder Verpflegungsstation eine neue Isoflasche und versuchte mir soviel Wasser wie möglich über zu schütten. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was das für eine Hitze das unter so einem Aerohelm sein muss. Ich habe ja schon gedacht. mein Schädel explodiert gleich und mein Körper verglüht. Ab Km 130 konnte ich nur noch trinken, feste Nahrung habe ich nicht mehr herunter bekommen und auch die Gels konnte ich nicht mehr schlucken. Salztabletten habe ich auch reichlich eingenommen. An der letzten Verpflegungsstation vor dem Wechsel zu Laufen rief uns ein Helfer zu, dass das Wasser alle ist. Echt jetzt. Ein bisschen Wasser hatte ich noch in meiner Aeroflasche. Ich brauchte aber dringend welches zum Kopf kühlen. Also nochmal eine neue Isoflsche gegriffen und gedacht, sind ja nur noch 20km. Das bekomme ich noch irgendwie hin. Als ich an der letzten Station der Verpflegungsstelle ankam, war wohl gerade die Wasserlieferung eingetroffen. Ich also schnell eine Flasche gegriffen und versucht den Körper zu kühlen. Die letzten Kilometer konnte man nochmal gut rollen und die Beine lockern für den anschliessenden Marathon. In der Wechselzone angekommen, konnte ich es nicht galuben, tatsächlich 180km gefahren zu sein. Wie schnell ich war, erfuhr ich erst am Abend nach dem Zieleinlauf. Es lief anscheinend besser als im Vorfeld gedacht und im Verlauf des Radfahrens gefühlt. Ich hatte mir vorher so ca. 7 Stunden ausgerechnet. Das ich aber schon nach 6:17:28h zum Wechsel kam, hätte ich nie für möglich gehalten. Die letzten Kilometer bin ich nicht mehr Auflieger gefahren sondern aufrecht, da ich festgestellt hatte, dass der Rücken dann beim Laufstart nicht so Probleme macht. Nach mehreren Stunden Auflieger fahren mag das mein Rücken in meinem Alter nicht ganz so. Im Wechselzelt zog ich mich dann um. Weisses Shirt und weisse Armlinge sollten mir Helfen beim Laufen den Körper zu kühlen. Die Hüfte hielt auch. Der letzte Abschnitt konnte in Angriff genommen werden.

Laufen

Ich fühle mich erstaunlich gut. Aber Vorsicht! Der Weg ist weit. Also sage ich immer wieder vor mich hin: kleine Schritte, langsam, ganz langsam. Es geht gut. Einen HM sollte ich schaffen. Um alles danach, mache ich mir später Gedanken.
Mein Bauch fühlt sich nicht richtig gut an. Es rumpelt und pumpelt dadrin wie verrückt. Aber Ignoranz soll helfen.
Ich laufe an Luis, Nicole und Volker vorbei. Und später an den anderen. Andi reicht mir Salzstangen. Aller 2 KM gibt es Verpflegung. Immer Kopf und Arme kühlen. Ich nehme auch reichlich Wasser und Cola zum trinken. Gels nur noch die eigenen. Die von Aktiv3 haben wirklich die Konsistenz von Wasser. Man kann die wirklich gut runter schlucken.
Bei Km 7 oder 8 spricht mich plötzlich Karina an. Ich habe sie überholt, ohne es zu bemerken 😯 . Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, das Karina in schwarz starten wollte, nun aber in weiß gekleidet war 😆
Karina ist ganz erstaunt, mich zu sehen. Sie denkt, ich bin vor ihr. Wahrscheinlich ist  sie aber an mir vorbei gefahren, als ich auf Wasser gewartet habe. Ein paar KM später sehe ich Gabi. Ich sehe auch Pjotr, Peter und Marco und Frank natürlich. Keinem ist kalt, soviel ist mal sicher. Beim Überqueren der Zeitmessmatte am 1. Wendepunkt muss ich an die Leute denken, die zu Hause am Computer unser Rennen verfolgen. Immer wenn ich eine solche Matte überquere wissen sie, das es weiter geht. Das ist wichtig.
Ich lerne wiedermal viele Leute kennen. Ich kanns nicht lassen. Ich muss halt quatschen. Da auf meinem Anzug hinten ganz groß mein Name steht, kann mich jeder auch sofort mit Namen ansprechen. Und viele meinen, das der Name nicht zur Figur passt 😆
Irgendwann stelle ich fest, das meine Brille weg ist. Sie saß oben auf der Kappe, weil sie inzwischen so verklebt und schmutzig war, das ich sie nicht mehr aufsetzen konnte. Ich hatte sie wohl bei der letzten Verpflegungsstation runtergerissen, als ich mit Schwämmen meinen Kopf kühlen wollte. Ok, also zurück zur Verpflegungstation. „Brille, wer hat eine orangefarbene Brille gefunden? „. „Hier, hier ist sie!“. Der Helfer kommt mir entgegen gesprintet. Ich bedanke mich sehr höflich für soviel Fleiß und drehe wieder um. Ich laufe wieder auf die Lände zu, da wo alle anderen stehen, und ich freue mich über die Zurufe und den lauten Jubel. Und der HM war geschafft. Zeit für neue Ziele. Ganz einfach. Ich laufe jetzt immer 2 Km von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation und das Ganze 10 mal. Gesagt, getan.
Bei Km 26 ist Schluss! Die Stimmung hat sich verändert. Nein, nicht meine oder die der Zuschauer. Die Wetter-Stimmung. Dicke Wolken bedecken den Himmel. Und irgendetwas drückt mit aller Macht gegen meinen Schädel. Und gegen meinen Bauch. Ich kann keinen Tropfen Wasser zu mir nehmen. Nix. Mir wird sowas von übel. Ich beginne zu frieren und zu zittern. Ich muss gehen! Sonst lande ich auf dem Boden wie einige andere. Das wäre das Aus. Das geht gar nicht. Das darf und kann ich nicht riskieren. Nach 2 Km Gehen muss ich sehr schnell an den Wegrand und dann lasse ich mir die Cola und die Gels der letzten Stunden nochmal ordentlich durch den Kopf gehen.
Und dann wird weiter maschiert.
Ich entschuldige mich innerlich bei meinem Körper, das ich ihm grad das bisschen wieder weggenommen habe, was er so dringend braucht. Und verspreche ihm reichlich Essen und Schonung nach dem Ziel.
Und siehe da, es wird besser. An der Verpflegungsstation kurz vor Km 30 geht wieder Wasser. Puh. Ein Glück. Und Cola. Und ein paar Meter später laufe ich wieder los. Meinem Magen geht es besser und der Regen hat eingesetzt und der Druck aus dem Kopf ist weg. Na also.
Ich laufe wieder!
„Solange der Geist willig ist, wird sich der Körper fügen.“
Es geht zurück zur Lände. Wo die anderen warten. Ich laufe nicht mehr ganz so locker, aber es geht gut. Ich nehme immer nur kleine Schlucke Wasser und Cola. Ja nix riskieren. Ich fühle mich langsam richtig leer, was wahrscheinlich auch der Tatsache entspricht, aber Gel oder anderes geht jetzt nicht. Weil das einzige Gel das ich jetzt vertragen würde, hab ich nicht mehr. Also muss ich warten bis zur Lände. Und dieser Weg wird immer länger. Meine Kraft hat mich scheinbar nun ganz verlassen. Aus irgendeinem Grund setze ich aber einen Fuß vor den anderen. Und irgendwann komme ich bei den anderen an und es ist wie das Erreichen einer Oase. Sie feuern mich an und Andi gibt mir ein Gel und Gerd läuft ein Stück mit mir.
„Ein einziger Freund, der an dich glaubt, kann der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg sein.“
KM 36 und es bleiben nur noch 6. Ich weiß nicht, ob es das Gel ist, oder der Gedanke an nur noch 6 Km oder die Freunde, die an mich glauben, jedenfalls es läuft wieder ein bisschen lockerer. Km 37 verpasse ich irgendwie, und an KM 38 kommt die einzige wirkliche mentale Krise. Komisch, aber einer ruft mir zu: Nur noch 4 Km und ich sacke förmlich innerlich zusammen. 4Km? Sooo weit? Wie soll das denn gehen? Km 38 – 39 ist der einzig schlimme KM im ganzen Rennen. So kurz vor dem Ziel und mein Mut verläßt mich. Interessanterweise habe ich nie, also wirklich nie im ganzen Rennen an Aufgeben gedacht. Dieser Gedanke war mir sowas was fern. Und auch jetzt geht es nur um die innere Disskussion Laufen oder Gehen. Ich bleibe am Laufen, wobei es „sich vorwärts schleppen“ wohl eher trifft.
„Wenn unsere Gedanken uns gefangenhalten, dann ist es doch nur naheliegend, das sie uns auch befreien können“
Dieser Spruch hängt über meinem Schreibtisch. Und er kommt mir plötzlich in den Kopf. NUR noch 3 KM. 3 von 226. Das ist ein Katzensprung. So müde kann man gar nicht sein um jetzt noch mit dem Laufen aufzuhören.
Und so laufe ich wieder befreit weiter und genieße das jetzt kommende große Fest. Ein amerikanischer Mitstreiter tanzt zur Musik über den Rother Marktplatz und seiner Aufforderung: let’s dance together! folge ich. Unsere Tanzbewegungen sind eher nur Armbewegungen. Aber die Leute feiern mit uns und mein Mittänzer erzählt mir, das es sein großer Traum war, einmal ein Ironman zu sein und das er es gar nicht glauben kann, das er es geschafft hat. Alles was jetzt kommt ist nur noch Genuss. Wieso ich eben noch so leer und platt war weiß ich nicht mehr. Ich fühle mich gut und laufe wie im Traum durch die immer enger werdenden Zuschauerspaliere. Die Leute feiern uns wie Helden. Ich laufe ins Stadion ein und kann das alles nicht realisieren. Ich höre meinen Namen: Helge Orlt finished ihre erste Langdistanz. Welcome to the finish line. Ich laufe ins Ziel und bin fassungslos. Ich bekomme meine Finishermedaille und auf der Brücke über den kleinen Teich, hin zur Zielverpflegung, stehe ich am Geländer und heule und schluchze ohne Ende. Mit einem breiten Lachen im Gesicht.

Für den Marathon hatte ich mir Gels in Flaschen abgefüllt. Ich hatte noch kurz überlegt, den Laufgürtel im Beutel zu lassen, da ich ja auf der Radstrecke schon Probleme mit der Gelaufnahme hatte. Und auch beim Laufen, habe ich sie nicht angerührt und den Gürtel bei km 20 dann Torsten in die Hand gedrückt. Ich habe direkt von Anfang an zu Cola gegriffen. Nach ca. 3km kam ich gut ins Laufen. Diesmal hatte ich meine Uhr dabei, damit ich das Tempo kontrollieren kann. Denn die Gefahr zu schnell loszulaufen ist sehr groß. Man lässt sich dann einfach zu sehr mitreißen. Ich habe nicht ständig auf die Uhr geschaut, sondern nur ab und zu, wenn ich das Gefühl hatte, dass es zu gut lief. Meist war ich dann zu schnell und ich habe bewusst langamer gemacht. An jedem Verpflegungstand hiess es wieder, soviel Wasser überschütten wie es nur ging. Die Schwämme habe ich auch überall am Körper verteilt. Getrunken habe ich die 42km lang tatsächlich nur Cola. Iso habe ich nicht mehr runtergeschluckt, sondern einfach eine Zeitlang im Mund behalten und dann wieder ausgespuckt. In der Hoffnung über die Mundschleimhaut auch noch was aufzunehmen. Weiterhin habe ich regelmäßg Salztabletten genommen. Es gab zwar auch Hühnerbrühe, salziges Wasser, Salzgurken, Tuc-Cracker und und und. Aber ich wollte meinem Magen keine weiteren Experimente zumuten, da ich auf den ersten 15km jedes Dixie aufsuchen musste, was irgendwo stand. Wahrscheinlich durch das ganze Iso auf der Radsrtecke. Danch war aber nichts mehr und ich konnte gut durchlaufen. An den wenigen kleinen Anstiegen bin ich gegangen, um Kräfte zu sparen und Krämpfe zu vermeiden. An den Verpflegungspunkten bin ich logischerweise auch gegangen. Aber dazwischen bin ich tatsächlich gelaufen. Ohne Probleme. Kein Hüftzwicken. Nichts. Mental wurde es etwas schwierig auf den langen geraden am Kanal lang. Man kann die Läuferschlange kilometerweit sehen. Bei km 22 fing es dann an zu regnen. Ich habe mich noch nie so sehr über Regen beim Laufen gefreut, wie in diesem Moment. Er kühlte nicht wirklich. Aber wenigstens war die Sonner verschwunden. Die einzige Sorge war, dass ich mir in den nassen Schuhen Blasen laufe. Zumal ein Großteil der Wege unbefestigt war und ich schon das ein oder andere Steinchen im Schuh spürte. Ich wollte sie aber nicht aussziehen, weil ich Angst hatte  beim Bücken einen Krampf zu bekommen. Also lief ich einfach weiter. Wieder an der Lände angekommen standen nochmal unsere Männer und Freunde. Jetzt waren es nur noch 7km bis zum Ziel. Jetzt konnte nichts mehr passieren. Tatsächlich waren die letzten Kilometer die Schnellsten. Es gab noch eine letzte Schleife durch Roth und dann fing plötzlich auch schon der rote Teppich an. Ab da machte ich nochmal schön langsam, um das Ganze richtig zu geniessen. So wie ich es wollte konnte ich lächelnd und bei klarem Verstand, hihi, durch das Ziel laufen und meine Medaille aus den Händen von Profi Pete Jacobs in Empfang nehmen. Auch die Marathonzeit war etwas schneller als ich mir erhofft hatte. Somit kann ich für mich von einem perfektem Rennen sprechen. Im Ziel hatte ich nur noch Gänsehaut und natürlich ich auch ein paar Tränchen verdrückt.

Nach dem Rennen

In Mitten der vielen Athleten im Versorgungszelt finde ich einen Platz zum Sitzen. Erst mal setzen. Ich treffe auf Uwe, der ebenfalls seine 1. Langdistanz gefinished hat. Er fragt nach meiner Zeit und ich stelle fest, das ich daran noch gar keinen Gedanken verschwendet habe. Ich weiß meine Zeit nicht. Gefühlt waren es 100 Stunden. Die Realität, so vermute ich, wird etwas weniger sein 🙂
Irgendwann erfahre ich dann auch meine Zeit: 12:46 und es haut mich um. Ich war mir sicher mindestens 14 Stunden unterwegs gewesen zu sein.
Karina kommt und dann auch Frank. Wir feiern uns und unsere 1. Langdistanz. Wir sind total platt und total glücklich. Das Lächeln im Gesicht scheint sich festzubrennen.
In der Wechselzone beim Rad- Checkout versagt dann langsam aber sicher mein Kreislauf. Ich habe seit dem Zieleinlauf nichts getrunken, geschweige denn gegessen. Es geht einfach nicht. Und nun sagt mein Körper: Mädel, es geht einfach nicht 😆
Ich muss mich setzen und dann lege ich mich auf eine Bank. Frank checkt mein Rad aus und will Andi holen. Ein Helfer kommt und bringt mir eine Cola. Ich trinke ganz langsam Schluck für Schluck und dann geht es wieder. Als Andi kommt kann ich sogar schon wieder sitzen und gleich auch wieder gehen, So können wir also den Heimweg antreten. Ich kann nicht schlafen, mein Körper brennt, Er ist wohl noch immer unterwegs. Aber diesmal stört es nicht.
Ich kann es immer noch nicht fassen. Nur ganz langsam verstehe ich, was wir da heute erreicht haben.
Schlaflos glücklich starre ich an die Decke und grinse so vor mich hin 🙂

Als ich im Zelt der Zielverpflegung ankam, sah ich schon direkt Helge sitzen und sie sah gut aus. Wir lagen uns in den Armen und konnten es kaum glauben. Wir hatten es tatsächlich geschafft. Wir konnten noch aufrecht gehen und hatten auch keinerlei Krämpfe, wie so viele andere Teilnehmer. Da wir total durchnässt waren, machten wir und zuerst mal auf den Weg zu den Kleidungsbeuteln, um uns umzuziehen. Das dauerte ein bisschen, denn so ganz gelenking waren wir nicht mehr. Die nassen Kompressionsstrümpfe auszubekommen war schon eine etwas schwierige Angelegenheit 🙂 . Irgendwann hatten wir es aber geschafft uns in die trockene Kleidung zu bekommen.Dann konnten wir dann noch Gabi und Peter in die Arme schliessen. Peter wurde sogar Deutscher Vizemeister in seiner Altersklasse. Jetzt beginnt für ihn die Vorbereitung auf Hawaii. Wahnsinn. Kurz danach traf auch Frank ein und wir waren wieder vollzählig. Auch er war noch ganz eingenommen von den Eindrücken und der Erschöpfung. Ihm ging es aber auch gut. Gerne hätte ich etwas von der tollen Zielverpflegung gegessen. Aber ich konnte einfach nicht. Schon allein der Geruch machte meinem Magen Probleme. Und dabei gab es so leckere Sachen. Ich merkte so langsam, wie mein Körper anfing zu zittern. Schnell griff ich mir ein paar Becher Cola und suchte mir einen Platz, um mich zu setzen. Nach einer Weile ging es mir dann besser. Aber Essen konnte ich immer noch nicht. Frank und Helge auch nicht. Länger warten wollten wir dann auch nicht und so sind wir dann raus zum vereinbarten Treffpunkt. Wir holten uns unsere verdienten Glückwünsche ab, machten schnell noch ein paar Fotos für die Daheimgebliebenen und liefen Richtung zweite Wechselzone, um die Räder abzuholen. Im Vorfeld war eine weitere Sorge meinerseits: Bin ich danach noch in der Lage bis zur Wechselzone, die ca. 500m vom Ziel entfernt ist, zu gehen? Und schaffe ich es bis 23 Uhr mein Rad auszuchecken? Ich machte mir keine Sorgen die Langdistanz zu schaffen, sondern eher Sorgen um den Zustand danach. Aber alles unbegründet 🙂 Das Gehen dorthin tat meinem Kreislauf ganz gut und es ging mit zusehens besser. Übrigens immer noch mit ner Cola in der Hand. Soviel wie an diesem Tag hatte ich im ganzen letzten Jahr nicht davon getrunken. Das Rad und die anderen Wechselbeutel waren schnell gefunden. Und dann wartete ich auf Frank und Helge. Und wartete. Warum es so lange dauerte schreibt Helge lieber selbst 😉 . Das Feuerwerk und die grandiose Stimmung im Zielstadion hatten wir im letzten Jahr als Zuschauer erlebt. Deshalb verzichteten wir darauf, nochmal zurück zu gehen und machten uns direkt auf den Weg ins Hotel. Ich schaffte es gerade noch so unter die Dusche und dann fiel ich ins Bett. Und dann? War ich wach. Aber sowas von wach. Adrenalin, Cola und gefühlt immer noch mindestens 25 Grad in der Nacht waren wohl zuviel. Ausserdem hatte ich das Gefühl, ich verglühe gleich. Letztendlich habe ich nur 2 Stunden geschlafen. Das Frühstück war dann die erste feste Nahrung, die ich wieder zu mir nehmen konnte. Es war aber eher Vernunftessen als Hunger. Das Kauen tat sogar richtig weh. Wir verabschiedeten uns zeitig von den Anderen, da wir noch unsere Tochter bei Schwager und Schwägerin abholen „mussten“. Sie hatte die 3 Tage dort verbracht. Für sie wäre das zuviel und zu anstrengend gewesen. Denn unsere Männer hatten mit uns genug zu tun :-). So konnte sie 3 Tage mit ihrer kleinen Cousine verbringen.  Ein klitzekleines bisschen Belohnungsshopping im Outlet dort musste auch noch sein. Den Lindt-Laden habe ich quasi leer gekauft, hihi. Der obligatorische Stopp in einem Fastfoodrestaurant durfte auch nicht fehlen. Hatte ich doch die letzten Monate darauf genauso verzichtet wie auf Cola.  Den Rest der Autofahrt verbrachte ich mit dem Kopf vor der Kühlung und mit abnormalem Essverhalten. Gummibärchen wechselten sich mit Würstchen, Schokolade und Tuc-Keksen ab. Inzwischen hat sich das aber Gott sei Dank wieder normalisiert 🙂 . Das Schlafen klappt auch wieder. Auch sonst gibt es keine größeren Nachwehen. Klar, ein bisschen Muskelkater. Aber ich konnte und kann die Treppen normal vorwärts runter gehen. Ich habe keine Blasen an den Füssen und keine Zehennägel ,die sich eventuell verabschieden könnten. Meine Mitarbeiterinnen hatten schon anbgeboten, mich auf einem Stuhl durch die Praxis zu rollen 🙂 . Das war sehr zu ihrme Leidwesen nicht nötig 🙂 . Also, habe ich wohl alles richtig gemacht. Und nun? Mache ich erstmal gar nichts. Sportliche Ziele gibt es dieses Jahr keine mehr. Klar werde ich weiterhin trainieren. Vielleicht lasse ich mich auch mal wieder auf dem Bogensportplatz blicken. Ich werde es einfach auf mich zukommen lassen. Worauf ich mich jetzt freue? Am Wochenende ausschlafen zu können und dann in Ruhe mit der Familie zu frühstücken.

Danke

Wenn in einer Beziehung einer so viel Zeit für Training benötigt, dann bleiben zwangsläufig mehr Aufgaben an dem anderen hängen. Andi hat gekocht und hat mich durch die Gegend gefahren. Gerade am Montag nach dem Rennen, als auch er total müde war, ist er die ganze Strecke alleine gefahren. Ohne seine Unterstützung hätte ich das nicht machen können. Vielen vielen Dank dafür mein Schatz. Ohne dich kann ich nicht sein was ich bin.
Dank an Karina und Frank, weil sie die Trainingseinheiten bereichert haben. Alleine wäre es sicher weniger schön gewesen.
Die mitgereisten Supporter (Nicole, Luis, Volker, Hans-Jörg, Gerd, Kessie, Inge, Markus, Torsten und Andi) haben einen ebenso anstrengenden Tag in der Hitze hinter sich wie wir. Ich weiß das, weil ich war letztes Jahr auch dabei. Vielen Dank für eure Unterstützung. Besonderen Dank an Luis. Ich glaube, er ist 10 Jahre alt (bin mir nicht sicher) und hat den ganzen Tag mit durchgehalten und uns lauthals angefeuert. Außerdem war es Luis, der mir 4 Tage vorher versicherte: Du schaffst das locker! Luis, du bist mein Held 🙂

Danke natürlich auch an all die Blogger und Freunde, die geschrieben und unterstützt haben, die Daumen gedrückt und online verfolgt haben. Auch an meine beiden Töchter Kassandra und Paula, die mitgefiebert haben und meine Familie.
Danke an alle, die an mich gedacht haben.
Danke natürlich an Trainer Marc. „Train smart not hard“ war sein Motto für uns. Und hat gepasst wie die Faust aufs Auge 🙂 . Was man mit einem sinnvollen Trainingsplan alles erreichen kann ist wirklich unglaublich.
Vielen Dank an Tanja, die uns so charmant und witzig über die Berge von Gran Canaria begleitet hat. Das war ein sehr wichtiger Teil unserer Vorbereitung.
Und noch einen ganz dicken Dank an Natalie. Fürs Trösten, Mut zusprechen, Anfeuern und vieles mehr. Du bist und bleibst ganz einfach ein Engel.

An aller-aller-erster Stelle Danke ich meinem Schatz Torsten, der sich die letzten Monate wie alleinerziehend gefühlt haben muss. Danke für die bedingungslose Unterstützung. Dafür, dass wenn wir von den Trainingseinheiten kamen, das Essen fertig war, für das Hin und Her fahren, für das Aushalten meiner Launen und der des Kindes 😉 und und und… 

Danke an Julia, die öfters mal alleine bleiben „musste“, weil Mama stundenlang Rad fahren war und Papa noch arbeitete. Obwohl, ein bisschen hat sie diese Freiheit auch genossen 😉 .

Danke an meine Eltern. Obwohl meine Mama gesagt hat, als ich ihr von meinen Plänen erzählt habe: „Kind, dass verbiete ich  dir!“ 🙂 . Danke an meinen Bruder ( der inzwischen auch laufenderweise wettkampfmäßig unterwegs ist ) samt Family. 

Danke an Helge und Frank, dass wir nach so vielen Stunden, die wir aufeinander gehockt haben immer noch befreundet sind 🙂 . Sind wir doch noch, oder?

Danke an Marc für die perfekte Vorbereitung auf ein für mich perfekt gelaufenes Rennen.

Danke an alle Freunde, Trainingskollegen und Blogger. Ich kann die vielen Namen nicht alle aufzählen, denn der Speicherplatz des Blogs ist begrenzt und ich habe Angst,  irgend jemanden in der Aufzählung zu vergessen. Danke an alle, die an uns geglaubt haben, die mit uns zusammen bei Wind und Wetter trainiert haben, vor Ort waren, virtuell an uns dachten und mitfieberten.

Und jetzt für die Statisiker unter den Lesern. Seit dem Trainingsstart am 1.11.2013 bin ich 175km geschwommen, 4358km Rad gefahren, 499km gelaufen und habe 25km im Wasser mit Aquajogging hinter mich gebracht.

 

 

10 Gedanken zu „DAS Abenteuer Roth 2014

  1. Hallo zusammen,

    eine schöne Planung habt ihr da! Macht ihr eigentlich auch dieses Jahr schon eine Langdistanz? Oder ist das noch eine längere Planung für die kommenden Jahre?

    • Hallo,
      willkommen auch in unserem Blog.
      Roth 2014 wird unsere erste Langdistanz. Wir haben auch erst im letzten Jahr unsere erste Mitteldistanz gemacht. Für dieses Jahr sind nur 1-2 Mitteldistanzen geplant. Alles ist auf 2014 ausgerichtet. Was danach wird, werden wir sehen.
      Viele Grüße
      Karina

  2. Hallo Ihr Beiden,

    wow, den Wettkampfkalender habe ich gerade erst jetzt entdeckt! Der sieht ja toll aus!
    Der Inferno Triathlon wird dann wohl das Jahres“highlight“! Wie teilt ihr euch die Disziplinen denn auf?

    • Hallo Doris,
      also die Aufteilung (Karina+Andi und Helge+Frank) ist folgendermaßen:
      Schwimmen und Rennrad: Karina und Helge
      MTB und Berglauf: Andi und Frank.
      Ich habe schon extra mein Rennrad umbauen lassen, damit ich die Berge hochkomme 🙂
      Liebe Grüße
      Karina

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