Schmuddel

„Schmuddel“ wird im Wörterbuch als unangenehmer, klebriger, schmieriger Schmutz beschrieben. Unangenehm? Beim Wurzelweglauf sicher nicht. Umso mehr Schmuddel umso besser und umso mehr Spass. Für mich. Es war einfach ein genialer, spassiger. lockerer Lauf. Ich lasse einfach mal die Bilder für sich sprechen. Es sind keine weiteren Läufer darauf zu sehen, da sie am Tag danach entstanden sind als ich mit GöGa die Strecke nochmal im Regen gewandert bin.

Einen Tag als Profisportler und wie es sich anfühlt, Letzter zu sein

Am Freitag Nachmittag hatte ich Gelegenheit zu erleben, wie es sich anfühlt Profisportler zu sein. In einem von der Handwerkskammer Trier angebotenen Workshop „Dein Tag als Profisportler – mit Profis wie ein Profi trainieren“ ging es um Stabilisation, Kraft, Ausdauer & Koordination, Visualisierung, Entspannung, Regeneration & Gesundheits-Messungen zusammen mit Profis aus Sport und Coaching. Obwohl ich noch vieles aus meiner eigenen Trainerausbildung kannte, gab es doch einige neue Eindrücke und Ansätze, die ich in Zukunft mal anweden und weitergeben werde. Interessant waren für mich auch die verschiedenen Messungen, die man durchführen lassen konnte:

  • Cardioscan-Messung zur Stresswertbestimmung
  • Bioelektrische-Impedanz-Analyse mit  Widerstandsmessung zur Bestimmung der Körperzusammensetzung
  • Oligoscan-Messung, eine Mineralstoff- und Metallwertbestimmung mittels Photospektrometrie
  • Stoffwechselanalyse zur Messung des Ruheumsatzes und Vergleich mit medizinischen Normwerten

Ich gebe zu, ich war skeptisch. Aber letztendlich hat sich alles so bestätigt, wie es die Spiroergometrie bei Coach Marc  schon ergeben hatte. Das Maximalkrafttraining im Fitnessstudio trägt auch Früchte. Das Verhältnis Kohlenhydratstoffwechsel zu Fettstoffwechsel ist perfekt. Nur mein Stresslevel war viel viel zu hoch. Aber daran kann man ja auch arbeiten. Mit Hilfe von Christine Neuner erlernten wir einige Techniken, die ich sicher mal ausprobieren werde auch wenn ich eher nicht so der Typ für Meditation u.ä. bin. Für mich war bisher so das Laufen im Wald eine Art Meditation und Entspannung. Mal sehen, ob sich etwas für mich ergibt. Danach ging es zu einer ersten kleinen Trainingseinheit mit Josephine Henning, ehemalige Spielerin der Deutschen Frauenfussballnationalmannschaft. Sie zeigte mir auf, wie eingefahren, eingerostet, unflexibel und in keiner Weise reaktionsschnell ich bin ;-). Krass. Die geübten Reaktions- und Koordinationsübungen werde ich auf jeden Fall ins Training einbauen, weil sie riesigen Spass gemacht haben. Das Stabilisations- und Krafttraining leitete Carolin Hingst – deutsche Stabhochspingerin, WM- und Olympiateilnehmerin.

Die gezeigten Rumpfstabilitätsübungen kannte ich schon und doch zeigte sie uns noch kleine Kniffe, wie die gleichen Übungen effektiver werden. Danach hatten wir noch genügend Zeit mit den Teilnehmern und Profis ins Gespräch zu kommen, die geduldig alle Fragen beantworteten und aus ihrem Sportlerleben erzählten.

So mental und körperlich gestärkt fuhr ich dann am Samstag zum Crosslauf nach Breit. Leider ohne Helge, die sich dann doch auch mal bei einer Familienfeier blicken lassen wollte. Und ausserdem hat sie für dieses Jahr eigentlich genug Sport gemacht ;-). Strahlend blauer Himmel und eine neue Streckenführung empfingen mich. Hm, so wie der Streckenplan aussah, geht es diesmal „nur“ über Wiesen. Zwar wieder mit einigen Höhenmetern aber leider ohne die berühmten Matschabschnitte. Als der Startschuss fiel, rannten alle wie von der Tarantel gestochen los. Ich hatte mich schon von vornherein ganz hinten hingestellt. Bei nur 79 Startern, weiss ich, wo ich hingehöre. Schon nach 100m war ich Schlusslicht. Gut, das hatte ich so erwartet, weil es jedes Jahr so ist.  Ich laufe mein Tempo und hoffe, dann später vielleicht noch den ein oder anderen einzusammeln. Ok, hat diesmal nur mit einem Läufer geklappt. Vor mir lief noch eine Frau, die von Runde ( 4 Stück an der Zahl ) langsamer wurde. In der letzten Runde war ich an ihr dran. Auch wenn ich mit etwas mehr Ehrgeiz und Willen vielleicht noch etwas schneller gekonnt hätte, wäre ich nicht vorbeigelaufen. Das gehört sich für mich nicht. Die ganze Zeit hinten dran hängen und dann 100m vor dem Ziel vorbeirennen. Aus dem Alter bin ich raus. Wie das Gefühl ist, Letzter zu werde kann ich also nicht sagen, weil ich Vorletzte geworden bin. Vielleicht beim nächste Mal, hihi. Denn es folgen noch 3 Crossläufe dieser Serie.

Dann hoffentlilch wieder mit Helge und Andi. Und dann hoffentlich auch wieder mit reichlich Matsch.

Ein perfekter Tag

Endlich habe ich es getan. Meinen ersten „nackten“ Marathon gefinished ❗
Das „nackt“ bezieht sich natürlich nicht auf meine Kleiderwahl, sondern darauf, das es eben „nur“ ein Marathon war. Ohne das übliche 3,8 km lange Schwimmen und die 180 km auf dem Rad. 😉
Schon zweimal hat es nicht geklappt. Einmal kam mir ein Muskelfaserriss dazwischen und letztes Jahr eine Magen-Darm-Grippe. Fest entschlossen es in diesem Jahr besser zu machen, meldete ich mich direkt letztes Jahr schon beim Schwarzwaldmarathon an.
Vor 4 Wochen dann passierte etwas ganz großartiges: Andi sagte mir frei heraus, das er mich beim Marathon begleiten will. 😯 😆
Ich habe ihn nicht gezwungen zu dieser Aussage. Noch nicht mal überredet. Ich habe keinerlei Strafhandlungen angedroht, wenn er es nicht tut.
Ich schwöre, es war seine Idee !
Den Start im Schwarzwald mussten wir allerdings aus zeitlichen Gründen absagen.  Andi musste Montag wieder beizeiten seiner Arbeit nachgehen und Sonntag nach dem Marathon 5 Stunden im Auto sitzen und heim fahren, fanden wir beide gruselig. Also Köln. Selbes Wochenende, Andi’s Lieblingsmarathon. Köln ist quasi „um die Ecke“ und in Köln ist dieses tolle Hotel mit diesem mega Frühstück …
Ich also vor 3 Wochen den ersten längeren Lauf auf Asphalt und flach 😯
Und dann kam das, was bei diesen flachen Läufen immer kommt: Was willst du laufen? Was hast du dir für eine Zielzeit vorgenommen? Du bist doch fit! Du könntest doch …
Das kam von anderen. Nicht von mir 😦
Oh man, ich bin ehrlich, ich hasse es. Und weil Andi und ich genau wissen, wie sehr sie es hasst, haben wir natürlich ständig nachgefragt und ihr die zu erwartenen Zielzeiten vorgerechnet und gesagt, sie solle endlich mal Gas geben und aufhören Spass zu haben, hihi. Wenn andere mir sagen, was ich könnte. Wenn man sich auf eine Zeit festlegen soll. Wenn es überhaupt nur noch um Zeiten geht. Warum kann es nicht einfach das Ziel sein, was man erreichen will? Marathon sind 42 km, das ist ganz schön viel für den Normalo-Läufer, das muss man erstmal laufen. Ich hatte jetzt keine Angst vor einem Marathon, aber Respekt. 42 km Laufen am Stück ohne das Wissen, das man schon 183,8 km hinter sich hat!
Was für eine fürchterliche Vorstellung. 😆
Aber es wurde noch schlimmer 😕
Andi bekam „Knie“ und es war klar, das er nicht teilnehmen kann.
Also ich alleine, bei einem Stadtmarathon, auf Asphalt, mit vielen Menschen, flach …. Das ist quasi die Höchststrafe für mich 🙄
Und dann der letzte 21 km lange Lauf eine Woche davor. Ich konnte nicht mal ansatzweise die Tempovorgaben vom Trainer umsetzen. Versuchte es auch gar nicht. 21 km Gehoppel und es fühlte sich an wie die Hölle. Ich trottete nach Hause und wollte direkt eine Ummeldung auf den HM buchen. Den sollte ich schaffen.
Bin ich echt zu weich für einen Marathon?
Dann der rettende Gedanke: einfach Laufen. Jeder Läufer hat so eine Geschwindigkeit, wo man sich einfach wohl fühlt, wo man die Gedanken schweifen lassen kann, entspannt, wo es sich leicht anfühlt. Natürlich ist diese Geschwindigkeit Tagesform, Wetter und Trainingsstand abhängig. Aber sie gibt es fast immer. Also: was soll es, ich werde einfach am Tag X diese Geschwindigkeit finden und ihr folgen. Ohne Uhr. Ohne Vorgabe, ohne Rücksicht auf irgendwas anderes als mich selbst. Und von dem Moment an fing ich an mich sogar auf den Marathon zu freuen 😀
Und dann kam Tag X. Und ich gehe völlig entspannt, mit gut gefülltem Magen, ohne Uhr und mit einigermaßen gut aufgewärmten Beinen an den Start. Großes Danke an Karina, die mir vorher noch den Tipp mit dem Fitnessclub im Hotel gab, wo ich in aller Ruhe 10 km mit hoher Trittfrequenz radeln konnte, ein minimales Gefühl von Triathlon. Mein Startblock ist der Letzte, 4:30 Stunden habe ich mal angegeben. Das sollte ich schaffen. Außerdem ist der orange 😆
Ich stelle mich direkt vor die 4:30 Stunden Pacemaker. Weil ich will einfach laufen und will nicht, das mir irgendwer eine Pace vorgibt. Alle schnelleren Pacemaker sind mit den früheren Startgruppen schon weg.

Vor dem Start.

Der Marathon lässt sich sehr schnell erzählen:
Bis KM 8 oder 9 tue ich mich noch etwas schwer. Nicht das Laufen ansich, eher der Kopf. Noch zögere ich zu glauben, das ich nun endlich einen Marathon laufe. 🙄
Von Km 10 bis 37 läuft es sich himmlich leicht. Es ist warm, aber außer das ich gefühlt Sonnenbrand auf der Stirn bekomme, stört mich das nicht. Ich schlendere durch die Verpflegungstellen und verpflege mich ordentlich. Ich genieße die Stimmung an der Strecke.
Bei Km 33 laufe ich auf die 4:15 Pacemaker auf und denke mir, da bleibe ich, verwerfe den Plan aber nach 1-2 km wieder, weil ich will doch einfach laufen, wie ich laufen will. Also überhole ich.
Bei Km 37 denke ich zum ersten Mal: Würde jetzt reichen. Aber nur kurz. Es sind ja nur noch 5 km. Das kann ich in jedem Falle noch.
Kurz vor Km 40 habe ich das einzige Mal ein kleines Problem, weil meine Hüfte plötzlich krampft. Kurz anhalten. Der erste Gedanke: dann gehe ich noch 2 Km. Der zweite Gedanke: vergiss es! Ein bisschen Leiden muss sein. Auf jetzt du Memme! 🙄
Ich laufe weiter. Der Krampf ist 500m weiter wieder weg.
Und dann laufe ich schon dem Ziel entgegen. Der Zieleinlauf ist wirklich ein Gänsehaut-Moment. Wegen der Stimmung und weil ich weiß, das ich endlich endlich endlich einen Marathon finishe.
Was ein Spaß 😀
Das finde ich total irre 😆

Das weltbeste Support-Team (Andi, Elke und Chris), immer leicht zu erkennen an zwei super süßen Schweizer Flaggen, hat mir das Leben während des Marathons aber wirklich leicht gemacht. Beim Start, Km 1, 14, 24, 28 und 39 hatte ich volle Unterstützung. Im Ziel natürlich auch. Sogar einen erstklassigen Milchkaffee habe ich bekommen. Der absolute Hit 😆
Vielen Dank für die grandiose Unterstützung an die Support-Helden des Tages 🙂

Meine Zeit erfahre ich erst nachdem ich nach dem Zieleinlauf auf das weltbeste Support-Team treffe. 4:09:49. Die HM Zeit ist 2:05:03
Ich bin ohne Uhr und ohne Druck konstant knapp unter 6 Minuten auf den KM gelaufen. Und es fühlte sich einfach großartig locker an. Es fühlte sich richtig an. Ich habe keinerlei Schmerzen hinterher. Die etwas verkrampfte Hüfte renkt sich durch 5 Minuten Sitzen wieder ein. Ich kann Treppen rauf und runter laufen, habe keine Blasen, keine Krämpfe in der darauffolgenden Nacht, nichts. Das überrascht selbst mich 🙄
Es gibt Leute, die behaupten, ich hätte nicht alles gegeben. Das stimmt vielleicht. Aber ich habe alles erreicht 😆
Da gibt es doch wohl nix mehr zu meckern 🙂

Ich gehe schnell duschen und dann treffe ich wieder auf Andi, Elke und Chris und bei Kaffee und Kuchen erzählen die drei von ihrem und ich von meinem Tag. Ich bin immer noch ganz aufgedreht (der Milchkaffee und die Cola … ich glaube ich bin im Koffeinrausch 😆 ) und freue mich wie Bolle über meinen ersten Marathon. Nachdem Elke und Chris sich auf den Heimweg gemacht haben (nach ihrem mega Sport-Wochenende waren sie ganz schön müde) verbringen Andi und ich noch einen schönen Abend in Köln. Mit lecker Essen, tollem Spaziergang und gemütlichem Ausklang an der Hotel-Bar 🙂
Das war ganz einfach ein grandioser Tag. Tolles Wetter. Ein toller Marathon. Tolle Stimmung. Lauflustige Beine. Großartiger Support.
Es war ein perfekter Tag.
Ein perfekter Tag, der einfach so passiert und das Leben so wunderbar macht 🙂