Ich kann auch anders

Nach unserem tollen Wochenende in Österreich hat der Trainer mir Ruhe verordnet. Ich bin in der letzten Woche gerade 1 X geschwommen, 1 X gelaufen und 1 X mit dem Rad gefahren. Alles im „kurz vor Untergeh- oder Umfall Tempo“ 🙄
Samstag war dann die Ruhe aber vorbei und es stand schon das nächste Schmankerl auf dem Programm. Die Vulkan Distanz beim Cross-Triathlon in Schalkenmehren wollte ich vor zwei Jahren ja auch machen … das ging (wie vieles andere in dem Jahr) daneben. Ich hatte da also noch eine Rechnung offnen.
1500m Schwimmen, 32 km MTB mit 800 HM auf einer doch recht anstrengenden Strecke und 9 km Crosslauf vom Feinsten. Also wirklich Cross. Steil hoch, steil runter und ansonsten auf total unebenen schrägen Trampelpfaden … nix für ungeübte Gelenke.
Da Bergziege Frank ja für fast jeden Blödsinn zu haben ist, war er wieder mit dabei. Nach Österreich wurde das Wort „Formtest“ erstmal gestrichen. Das ich eine gute Form hab, hab ich bewiesen, jetzt nur noch Spaß (in Österreich hatte ich ja auch so gar keinen Spaß 😆 )
Frank und ich fahren also nach Schalkenmehren. Man kennt dort quasi fast JEDEN, schließlich sind es immer die selben Leute, die solche Veranstaltungen besuchen. Cross Triathlon ist nicht für jeden was. Auf der langen Distanz (also da, wo ich starte) sind gerade mal 14 Frauen am Start (interessanterweise 6 davon in meiner AK), wobei allerdings nur 12 ins Ziel kommen.
Ich freue mich ausnahmsweise mal, das kein Neoprenverbot ist, nicht weil ich es plötzlich mag mit dieser Gummihaut zu schwimmen, sondern weil in zwei Wochen der Inferno ist und mein nagelneuer Neo immer noch kein einziges Mal im Wasser war. Macht Sinn den Neo mal nass zu machen 😆
Also rein in den Neo. Der passt perfekt, ist fast schon ein bisschen zu groß, aber trotzdem ist es halt ein Neo und es fühlt sich ein bisschen wie Freiheitsberaubung an 🙄
Aber egal, wir sind ja nicht bei „Wünsch dir was“! 2 Runden muss man schwimmen mit einem Landgang.
Der Start ist schwierig, 120 Starter und alle auf dem Weg zu ein und derselben Boje. Himmel hilf. 😯 Immer diese unchilligen Triathleten.
Ich merke sehr schnell. der tolle, teure Neo nützt mir gar nix, Schwimmen kann ich damit immer noch nicht. Oder schon wieder nicht? Oder liegt es nur am Tag?
Mein ganzer Körper ist langsam, müde, träge. Meine Hoffnung ist, das ich nur erstmal warm werden muss. So von wegen alter Diesel. Also kämpfe ich mich zwei Runden im Wasser mehr oder weniger erfolgreich vorwärts. Eher weniger. Nur einmal wird es spaßig, als ein anderer Starter 200m nach der Boje schräg an mir vorbei über die gedachte Trennlinie mitten in die ihm auf dem Hinweg zur Boje entgegenkommenden anderen Schwimmer hinein schwimmt. Voll die Orientierung verloren der arme 😆
Sorry, ich musste mich kurz kringeln vor Lachen, es sah einfach nur so cool aus und meine gerechte Strafe für diese Schadenfreude bekomme ich ja noch. Aber ich hab doch sonst so wenig zu lachen 😛
Nach dem Landgang springt man von einem Steg ins Wasser. Sah sicherlich richtig toll aus bei mir, war aber zwecklos, weil es mir erstmal die Brille verreißt und ich anhalten muss und diese wieder richten muss. Mega professionell 🙄
Der Weg zur Wechselzone ist ähnlich lang wie letzte Woche in Obertrum, aber ich denke mir, wenigstens bin ich lebend aus dem Wasser. Dann aufs MTB und gleich mal hoch. Hoch, hoch, hoch. Und dann eine scharfe Linkskurve und dann ist da die Wand 😯 . Die Strecke hat man geändert. Es gibt jetzt eine „Laufpassage“. Steil steiler am steilsten … mit Wurzeln, Ablaufrinnen und so Zeugs, ich schiebe natürlich nicht, also zumindest so lange nicht, bis ich auf die 20 Athleten vor mir aufgefahren bin und der Weg verstopft ist 🙄
Dem Himmel sei Dank! Wäre ich weiter gefahren, wäre ich noch an Ort und Stelle aus dem Sattel gekippt 😆
Es geht dann weiter hoch und ich merke ganz schnell, das ich heute nicht nur nicht schwimmen, sondern auch nicht Radfahren kann. Locker und flockig war gestern. Heute ist es ein Kampf. Meine Beine kraftlos, mein Kopf irgendwie müde … OK: Locker und leicht kann jeder. Heute dann mal mit Leiden. 😈
Ich nehme den nicht vorhandenen Druck vom Pedal und falle ins Schlendertempo. Das Tempo wo einem die Ameisen am Wegenrand überholen. Fühlt sich immer noch nicht gut an, aber erträglich. Und wenn ich als Letzte ins Ziel gekrochen komme. Ich werde es ertragen!
Meine heroische Ansprache an mich selbst wirkt! Ich falle nicht um mit dem Rad 😆
Der mehrmalige Gewinner dieses Rennens, Vereinskamerad Jens Roth, hatte mir die neue Strecke als „brutal hart“ beschrieben. Und nach der ersten Runde weiß ich auch, was er meint. Spätestens die zweite mega steile relativ lange Steigung zieht mir alles an Kraft aus den Beinen, was noch da war. Ich nehme mir vor, auf der zweiten Runde diese Steigung zu schieben. Bergab ist es nicht unbedingt besser. Das sind böse Schotterpassagen drin, tief und lose, also keine Erholung. Konzentration bis in die Haarspitzen. Und das, wo selbst meine Haarspitzen heute ziemlich kraftlos rum hängen 🙄
Dann kommt die zweite Runde. Die wird nicht besser. Aber sehr viel unterhaltsamer 😆
Ich bin mir ziemlich sicher, inzwischen Letzte zu sein auf der Strecke, und da kann man auch ganz ungeniert für eine Pinkelpause anhalten. Beim Weiterfahren sind dann zwei Fahrer hinter/neben mir. Und ab da bekommt das Leiden einen sehr spaßigen Anstrich. 😀 Zusammen leidet es sich eben einfach besser. Beide kannten die alte Strecke ebenfalls und wir sind uns einig: das hier ist nix für Weicheier. Und weil wir eben keine sind, werden wir das zu Ende bringen.
Wir schaffen es tatsächlich die 32 km zu Ende zu fahren. Und gehen zusammen auf die Laufstrecke. 9 km und direkt mal hoch. Ziemlich steil. Meine Beine sind zu nix zu gebrauchen, aber meine Mitstreiter leiden tatsächlich noch mehr. Als wir aus dem Zuschauerbereich raus sind, verfalle ich ins Gehen, es ist einfach zu steil zum Laufen. Mein einer Begleiter bedankt sich bei mir, er war kurz vor dem Kollaps, wollte sich aber nicht von einer Frau, die zumal noch deutlich älter als er ist, abhängen lassen 😆
Wir müssen drei Runden laufen und quatschen uns quasi gegenseitig vorwärts. Bergab ist einer immer weiter vorne, bergauf bin ich wieder dran. Irgendwann kommt Frank an mir vorbei. Er kämpft auch ganz schön, ist aber eine Runde weiter als ich. Und er meint, Spaß hat er sich anders vorgestellt 😯 Echt? Armer Frank. Wie kann man denn bei diesem Wettkampf keinen Spaß haben 😕 😆

Hier laufen wir noch hoch … da standen ja auch Fotografen und Zuschauer 🙂

Ich habe einen echt schwerfälligen Schritt drauf, ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so träge gefühlt habe , spätestens jetzt wird auch meiner letzten Hirnzelle bewusst, das heute kein Helge-Tag ist.
Als ich am Ende der letzten Runde endlich zum Ziel abbiegen darf, fühlt sich das echt gradios an. Und mir kommt in den Sinn, das sich ein so hart erkämpftes Ziel irgendwie verdienter anfühlt. Beim Zieleinlauf fühle ich mich wie ein kleines Kind an Weihnachten …   Aber gut, ich war den ganzen Tag in der Sonne, Sauerstoff für’s Hirn war eh keiner mehr da … da kann man schon mal komisches Zeug denken 😉
Frank jedenfalls empfängt mich schon mit einem kühlen Getränk 🙂 Was ein Service ❗

3:33 Stunden habe ich gebraucht. Gehofft hatte ich auf 3:15. Aber, ich hab das Ding zu Ende gebracht. Und Letzte war ich natürlich lange nicht, der Letzte kam eine Stunde nach mir ins Ziel. Aber das wirklich lustige kommt ja noch: Der Medaillenregen!
So frei nach dem Motto „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn … “

  1. Habe ich natürlich eine Finishermedaille bekommen.
  2. Habe ich die AK gewonnen (4 sind ins Ziel gekommen)
  3. Habe ich die AK der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft gewonnen
  4. Bin ich all over Rheinland-Pfalz-Meisterin im Cross Triathlon geworden
  5. 😆 😆 😆

Völlig verrückt! Geschwommen wie ein toter Fisch, gefahren wie ein MTB Anfänger und gelaufen/gewatschelt wie ein dicker Pinguin. Und damit aber sowas von erfolgreich 😆
Cool 😎 ! Manchmal muss man nicht schnell sein, manchmal geht es einfach nur ums Durchhalten.
Als ich mit den Medaillen behangen zu Hause ankomme, will Andi mich gleich gar nicht zur Tür rein lassen 😆

Sonntag wache ich dann mit Rotznase und Halsschmerzen auf 😯
Nichts wirklich schlimmes, heute ist es schon fast wieder weg.
In 11 Tagen ist der Inferno und ich muss jetzt eh noch viel ruhen. Und ich habe mir vorgenommen, jetzt vor lauter Nichtstun nicht durchzudrehen. 🙄
Das Geheimnis ist, das Ganze nicht zu ernst zu nehmen. Es ist ja schließlich nur der Inferno. 155 km und 5500 HM. Also stell ich mich jetzt mal nicht so an und geh das Ganze einfach an. Und melde mich dann vom Schilthorn wieder 😆

4 auf 3 Streiche

Oh je, wo soll ich nur anfangen? Vielleicht im Jahr 2018. Hm, das könnte jetzt lang werden. Ich versuche mal eine Art Zusammenfassung. Im Juli 2018 verschlug uns der Urlaub nach Bayern an die Grenze zu Österreich. Da ich das nur Urlaub machen anscheinend irgendwie verlernt habe, bot sich doch das 3km Seecrossing beim Trumer Triathlon verbunden mit einem kurzen Besuch bei Doris an. Toller See, tolle Gegend – das wäre doch was für Helge, dachte ich mir. Nicht zu vergessen, die tollen Gastegeber und der hervorragend organisierte Triathlon. Ich lies Helge dann zufällig unaufällig häppchenweise entsprechende Informationen zukommen, mit dem Hinweis, dass der 10. Trumer Triathlon perfekt in unsere Urlaubsplanung passen würde ;-). ( Ja, es war Karina’s Idee!!!! Das muss man hier noch mal ganz deutlich sagen. ICH bin unschuldig 🙂 ). Es hat nicht lange gedauert und Helge war angelmeldet :-). Und ich gleich hinterher. Was habe ich mir nur dabei gedacht. Vielleicht lag es am extrem günstigen Preis für die Frühanmeldung. Ganz bestimmt. Damit sich so eine extra lange Anreise auch lohnt, meldeten wir uns gleich mal für das sogenannte Triple an. Normal kann ja fast jeder. Und da wir nicht Jeder sind und auf gar keinen Fall normal (aber schön 🙂 ), holten wir FAST das Maximum an möglichen Anmledungen heraus. Wir WOLLTEN somit am Freitag 3km Freiwasserschwimmen, am Samstag über die Sprintdistanz ( 750m schwimmen – 24,5km Rad – 5,2km Laufen ) starten und am Sonntag die Mitteldistanz absolvieren ( 1,9km – 88,5km – 21,1km ). Für das Maximum an machbaren Anmeldungen wäre noch der Charity-Run am Freitag möglich. Na, man muss sich ja noch Optionen lassen. Praktischerweise hatte uns Doris Schwester Birgit eine Unterkunft besorgt, die fussläufig zum Eventgelände lag. Die Räder fanden in Birgits Garage Unterschlupf. Dort waren sie wesentlich besser aufgehoben, als bei 38 Grad Aussentemperatur im Auto und wurden auch schön von Chaya bewacht :-). Die Pink- und Orange – Erkennung müssen wir allerdings noch etwas mit ihr üben :-). Chaya ist halt ein echter Wachhund, hihi.

Da traut sich keiner, die Räder zu stiebitzen 🙂

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Endlich mal Kaffee-Pause

Falls es jemanden interessiert, wie es sich anfühlt, wenn ein 30 Tonner über einen drüber gerollt ist, dann fragt mich. Ich weiß es! Gestern hab ich mich genau so gefühlt 😆
Aber fangen wir mal von vorne an.
Das Motto der letzten Woche würde eventuell der ein oder andere als „Schluss mit lustig“ bezeichnen. Wobei es dafür doch ganz schön lustig war.
Schon Dienstag morgen standen 2.5 Stunden MTB auf dem Plan. VOR dem Frühstück. Und das war nur die 1. Einheit des Tages. Und es ging die ganze Woche so weiter. Mittwoch hat der weltbeste GöGa Andi dann die Aufsicht über mein Berglauf-Tempo-Training höchst persönlich übernommen. Ich kann mich ja alleine so gar nicht wirklich gut quälen, aber mit Andi und seinen „LOS!“ und „STOPP!“ Ansagen hat die doch echt anstrengende Einheit wunderbar geklappt. 🙂
Wofür so ein Ehemann doch alles gut ist 😆 Weiterlesen