Ein perfekter Tag

Endlich habe ich es getan. Meinen ersten „nackten“ Marathon gefinished ❗
Das „nackt“ bezieht sich natürlich nicht auf meine Kleiderwahl, sondern darauf, das es eben „nur“ ein Marathon war. Ohne das übliche 3,8 km lange Schwimmen und die 180 km auf dem Rad. 😉
Schon zweimal hat es nicht geklappt. Einmal kam mir ein Muskelfaserriss dazwischen und letztes Jahr eine Magen-Darm-Grippe. Fest entschlossen es in diesem Jahr besser zu machen, meldete ich mich direkt letztes Jahr schon beim Schwarzwaldmarathon an.
Vor 4 Wochen dann passierte etwas ganz großartiges: Andi sagte mir frei heraus, das er mich beim Marathon begleiten will. 😯 😆
Ich habe ihn nicht gezwungen zu dieser Aussage. Noch nicht mal überredet. Ich habe keinerlei Strafhandlungen angedroht, wenn er es nicht tut.
Ich schwöre, es war seine Idee !
Den Start im Schwarzwald mussten wir allerdings aus zeitlichen Gründen absagen.  Andi musste Montag wieder beizeiten seiner Arbeit nachgehen und Sonntag nach dem Marathon 5 Stunden im Auto sitzen und heim fahren, fanden wir beide gruselig. Also Köln. Selbes Wochenende, Andi’s Lieblingsmarathon. Köln ist quasi „um die Ecke“ und in Köln ist dieses tolle Hotel mit diesem mega Frühstück …
Ich also vor 3 Wochen den ersten längeren Lauf auf Asphalt und flach 😯
Und dann kam das, was bei diesen flachen Läufen immer kommt: Was willst du laufen? Was hast du dir für eine Zielzeit vorgenommen? Du bist doch fit! Du könntest doch …
Das kam von anderen. Nicht von mir 😦
Oh man, ich bin ehrlich, ich hasse es. Und weil Andi und ich genau wissen, wie sehr sie es hasst, haben wir natürlich ständig nachgefragt und ihr die zu erwartenen Zielzeiten vorgerechnet und gesagt, sie solle endlich mal Gas geben und aufhören Spass zu haben, hihi. Wenn andere mir sagen, was ich könnte. Wenn man sich auf eine Zeit festlegen soll. Wenn es überhaupt nur noch um Zeiten geht. Warum kann es nicht einfach das Ziel sein, was man erreichen will? Marathon sind 42 km, das ist ganz schön viel für den Normalo-Läufer, das muss man erstmal laufen. Ich hatte jetzt keine Angst vor einem Marathon, aber Respekt. 42 km Laufen am Stück ohne das Wissen, das man schon 183,8 km hinter sich hat!
Was für eine fürchterliche Vorstellung. 😆
Aber es wurde noch schlimmer 😕
Andi bekam „Knie“ und es war klar, das er nicht teilnehmen kann.
Also ich alleine, bei einem Stadtmarathon, auf Asphalt, mit vielen Menschen, flach …. Das ist quasi die Höchststrafe für mich 🙄
Und dann der letzte 21 km lange Lauf eine Woche davor. Ich konnte nicht mal ansatzweise die Tempovorgaben vom Trainer umsetzen. Versuchte es auch gar nicht. 21 km Gehoppel und es fühlte sich an wie die Hölle. Ich trottete nach Hause und wollte direkt eine Ummeldung auf den HM buchen. Den sollte ich schaffen.
Bin ich echt zu weich für einen Marathon?
Dann der rettende Gedanke: einfach Laufen. Jeder Läufer hat so eine Geschwindigkeit, wo man sich einfach wohl fühlt, wo man die Gedanken schweifen lassen kann, entspannt, wo es sich leicht anfühlt. Natürlich ist diese Geschwindigkeit Tagesform, Wetter und Trainingsstand abhängig. Aber sie gibt es fast immer. Also: was soll es, ich werde einfach am Tag X diese Geschwindigkeit finden und ihr folgen. Ohne Uhr. Ohne Vorgabe, ohne Rücksicht auf irgendwas anderes als mich selbst. Und von dem Moment an fing ich an mich sogar auf den Marathon zu freuen 😀
Und dann kam Tag X. Und ich gehe völlig entspannt, mit gut gefülltem Magen, ohne Uhr und mit einigermaßen gut aufgewärmten Beinen an den Start. Großes Danke an Karina, die mir vorher noch den Tipp mit dem Fitnessclub im Hotel gab, wo ich in aller Ruhe 10 km mit hoher Trittfrequenz radeln konnte, ein minimales Gefühl von Triathlon. Mein Startblock ist der Letzte, 4:30 Stunden habe ich mal angegeben. Das sollte ich schaffen. Außerdem ist der orange 😆
Ich stelle mich direkt vor die 4:30 Stunden Pacemaker. Weil ich will einfach laufen und will nicht, das mir irgendwer eine Pace vorgibt. Alle schnelleren Pacemaker sind mit den früheren Startgruppen schon weg.

Vor dem Start.

Der Marathon lässt sich sehr schnell erzählen:
Bis KM 8 oder 9 tue ich mich noch etwas schwer. Nicht das Laufen ansich, eher der Kopf. Noch zögere ich zu glauben, das ich nun endlich einen Marathon laufe. 🙄
Von Km 10 bis 37 läuft es sich himmlich leicht. Es ist warm, aber außer das ich gefühlt Sonnenbrand auf der Stirn bekomme, stört mich das nicht. Ich schlendere durch die Verpflegungstellen und verpflege mich ordentlich. Ich genieße die Stimmung an der Strecke.
Bei Km 33 laufe ich auf die 4:15 Pacemaker auf und denke mir, da bleibe ich, verwerfe den Plan aber nach 1-2 km wieder, weil ich will doch einfach laufen, wie ich laufen will. Also überhole ich.
Bei Km 37 denke ich zum ersten Mal: Würde jetzt reichen. Aber nur kurz. Es sind ja nur noch 5 km. Das kann ich in jedem Falle noch.
Kurz vor Km 40 habe ich das einzige Mal ein kleines Problem, weil meine Hüfte plötzlich krampft. Kurz anhalten. Der erste Gedanke: dann gehe ich noch 2 Km. Der zweite Gedanke: vergiss es! Ein bisschen Leiden muss sein. Auf jetzt du Memme! 🙄
Ich laufe weiter. Der Krampf ist 500m weiter wieder weg.
Und dann laufe ich schon dem Ziel entgegen. Der Zieleinlauf ist wirklich ein Gänsehaut-Moment. Wegen der Stimmung und weil ich weiß, das ich endlich endlich endlich einen Marathon finishe.
Was ein Spaß 😀
Das finde ich total irre 😆

Das weltbeste Support-Team (Andi, Elke und Chris), immer leicht zu erkennen an zwei super süßen Schweizer Flaggen, hat mir das Leben während des Marathons aber wirklich leicht gemacht. Beim Start, Km 1, 14, 24, 28 und 39 hatte ich volle Unterstützung. Im Ziel natürlich auch. Sogar einen erstklassigen Milchkaffee habe ich bekommen. Der absolute Hit 😆
Vielen Dank für die grandiose Unterstützung an die Support-Helden des Tages 🙂

Meine Zeit erfahre ich erst nachdem ich nach dem Zieleinlauf auf das weltbeste Support-Team treffe. 4:09:49. Die HM Zeit ist 2:05:03
Ich bin ohne Uhr und ohne Druck konstant knapp unter 6 Minuten auf den KM gelaufen. Und es fühlte sich einfach großartig locker an. Es fühlte sich richtig an. Ich habe keinerlei Schmerzen hinterher. Die etwas verkrampfte Hüfte renkt sich durch 5 Minuten Sitzen wieder ein. Ich kann Treppen rauf und runter laufen, habe keine Blasen, keine Krämpfe in der darauffolgenden Nacht, nichts. Das überrascht selbst mich 🙄
Es gibt Leute, die behaupten, ich hätte nicht alles gegeben. Das stimmt vielleicht. Aber ich habe alles erreicht 😆
Da gibt es doch wohl nix mehr zu meckern 🙂

Ich gehe schnell duschen und dann treffe ich wieder auf Andi, Elke und Chris und bei Kaffee und Kuchen erzählen die drei von ihrem und ich von meinem Tag. Ich bin immer noch ganz aufgedreht (der Milchkaffee und die Cola … ich glaube ich bin im Koffeinrausch 😆 ) und freue mich wie Bolle über meinen ersten Marathon. Nachdem Elke und Chris sich auf den Heimweg gemacht haben (nach ihrem mega Sport-Wochenende waren sie ganz schön müde) verbringen Andi und ich noch einen schönen Abend in Köln. Mit lecker Essen, tollem Spaziergang und gemütlichem Ausklang an der Hotel-Bar 🙂
Das war ganz einfach ein grandioser Tag. Tolles Wetter. Ein toller Marathon. Tolle Stimmung. Lauflustige Beine. Großartiger Support.
Es war ein perfekter Tag.
Ein perfekter Tag, der einfach so passiert und das Leben so wunderbar macht 🙂

 

 

Für die Ehre

Ich kann es irgendwie nicht lassen. Irgendwie habe ich keinerlei Lust an „Saisonpause“ zu denken oder gar den Wettkampf-Spaß auf das nächste Jahr zu verschieben. Es gibt ja hier und da noch nette Sachen, die man mal machen kann.
So am letzten Wochenende in Östringen der Kraichgauman. Ein Cross-Duathlon mit hohem Spaßfaktor. Vor 3 Jahren hatte ich mich schon mal von Karina überreden lassen, dort mitzumachen (irgendwie glaube ich, das Karina jedes Mal die Ideengeberin ist, wenn es um die ganz bekloppten Sachen geht 🙄 )
Ich nervte Andi und Bergziege Frank so lange mit diesem Wettkampf, dass sie schließlich beide mit angemeldet waren 😆
Freitag Abend reisten wir also zu dritt in Östringen an ( was ein Glück, das unser Caddy 3 MTB’s und 3 Personen ohne Probleme befördert bekommt)  und nach einem ausgiebigem Frühstück im Östringer Hof ging es zur Startunterlagenausgabe. Da wir alle Zeit der Welt hatten, wollten wir uns die 8,3 km lange MTB Runde schon mal vorab anschauen. Die Strecke is toll. Es fehlt zwar der Berg, aber es geht auf wunderbaren Singletrails durch den Wald. Und als Highlight gibt es die Tongrube. Gemein oder gar bösartig, deshalb der pure Spaß. Man hatte einen „Grand Canyon“ in der Tongrube „gebaut“. Eine ganz schmale Spur zwischen zwei Wänden … und der Regen der Tage davor hatte für reichlich Wasser gesorgt 😆
Herrlich! Ich hatte den beiden Männern nicht zu viel versprochen.

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Klein-Fein-Gemein

So bezeichnet der Organisator des Team Duathlons in Kusel selbst seine Veranstaltung.
Der Typ ist sowieso ein absolut sympathischer Spaßvogel. 🙄

Irgendetwas stimmt mit uns, gemeint sind Andi und ich, nicht. Oder wir sind einfach nur sehr vergesslich. Schließlich waren wir letztes Jahr schon bei diesem Rennen dabei. Und zumindest ich habe ganz schön gelitten. Aber wir starten dieses Jahr wieder und auch die weltbeste Physiotherapeutin Gabi und Mitstreiterin Kessi, die mich letztes Jahr noch erwürgen wollten nach dem Rennen, sind ganz freiwillig ohne meine Überredungskünste wieder am Start. So schlimm kann es also nicht gewesen sein. 😛

Die Ausgangssituation: Ich bin gut trainiert und im Moment geht Laufen immer. Und wenn meine Beine keine Lust auf Laufen haben, dann fahre ich MTB und laufe danach. Das geht sowieso immer 😆
Andi hat viel weniger trainiert. Kommt aber langsam wieder in Form.

Die Woche vor dem Rennen: Ich genieße den Wald und die Sonne und die Bewegung und das Leben überhaupt. Andi „genießt“ es jeden Tag früh morgens nach Frankfurt zu fahren, 12 Stunden zu arbeiten und anschließend spät wieder zurück. Ich denke ich bin ganz klar im Vorteil.

Die ganze Woche Sonne. Ich habe es jeden Tag genossen

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