Sind wir noch zu retten?

Die verrückten Cyber Days sind vorbei. Außer Müdigkeit und Verwunderung über diesen kollektiven Kaufrausch blieb nix zurück. Ich hatte quasi 5 Tage am Stück Dauerdienst und bewachte das System um beim kleinsten Anzeichen von Schwäche oder Überdruss (auch so ein Server kann mal keine Lust mehr haben wenn er dauerhaft mit Anfragen bombardiert wird) einzuschreiten.
Wenn ich was zu sagen hätte: ich würde es abschaffen. Genau so  wie Geschenke an Weihnachten. Oder besser Weihnachten. Es ist doch wirklich sonderbar wie der vorweihnachtliche Stress so die Menschheit ergreift. Alles muss fertig werden, jeder muss Tonnen von Geschenken kaufen, die Läden möchten am besten noch am 24. einen verkaufsoffenen Sonntag machen, damit auch ja keiner zur Ruhe kommt und damit wir auch wirklich bis zu Letzt lauter unnützen Kram und Fressereien kaufen können. Schließlich muss man sich ja versorgen, nicht das jemand schon am 1. Weihnachtsfeiertag verhungert.
Und jeder redet von friedlichen und ruhigen Weihnachtsfeiertagen und tut doch sein bestes um dann pünktlich zum Fest völlig kaputt und ausgelaugt zu sein.
Was genau läuft denn schief bei uns? 😕
Sind wir noch zu retten?
Am letzten der völlig verrückten Cyber Days fehlte mir Luft. Ich musste raus. Zwar hatte ich keine Zeit aber schon meine Oma sagte immer: Nimm dir Zeit und nicht das Leben 😆
Die Omas hatten noch Ahnung. Also Laufschuhe an und raus in den Wald. Knackig kalt, aber so unglaublich frisch und wohltuend. Mit jedem Schritt mehr Sauerstoff in der Lunge und mehr Ruhe in der Seele. So ganz ohne Geschenke und ganz ohne festes Datum kann man bei einem schnöden Lauf durch den Winterwald seinen Frieden finden. 🙂
Das könnte Weihnachten sein.

Einen Tag später führte mich eine Dienstreise nach Berlin. Ich kenne ja Leute, die Berlin mögen. Ich hatte mir vorgenommen, mal nicht so voreingenommen zu sein und mal die Stadt mit anderen Augen zu betrachten.
Hm. Hat wohl nicht funktioniert. 😐
Strahlend blauer Himmel den man aber gar nicht sieht (die Sonne sowieso nicht). Firma und Hotel sind am Checkpoint Charlie. Permanent unzählige Menschen um einen herum. Und die Menschen tun alles nebenbei. Die essen alle nebenbei, die lesen oder chatten nebenbei. Die fahren auch Rad nebenbei. Kein Mensch nimmt einen anderen wahr. Jeder in seinem eigenen Universum inmitten von Massen. Ich, die ich alleine im Homeoffice arbeite und meistens alleine im Wald zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs bin, empfinde in dieser großen Stadt mit Millionen Menschen um mich herum eine solche trostlose Einsamkeit, das es mich richtig traurig macht. 😦
Und ich fühlte mich gehetzt. Zur Bahn, über die Straße, im Fahrstuhl … Überall Hupen, Blinken, Piepen, Schreien, …
Zum Glück ist die ersten beiden Tage der Andi mit in Berlin gewesen. So war es nicht ganz so schlimm 🙂
Die Arbeit in Berlin ist allerdings ziemlich witzig. Erstens wartete im Berliner Office meine neue Höllenmaschine auf mich. Mein primärer Arbeitslaptop hat ein Update nicht überlebt und weil ich immer zwei haben muss (ein Backup) hat man mir einen neuen bestellt. Da für Amerikaner der Hunsrück nur einen Katzensprung von Berlin entfernt ist, ist dieser neue Laptop im Berliner Office angekommen. Es gibt einfach Dinge die ich aufgegeben habe zu erklären 🙄
Ich nenne ihn die Höllenmaschine. Sieht richtig edel aus und ist einfach ein irres Teil. Der führt Befehle so schnell aus, das ich es gar nicht schaffe diese zu tippen. Soooo schnell 😆
Ich bin ja der einzige Softwareentwickler unserer Firma in Deutschland, meine Kollegen in Berlin arbeiten für Support und Sales. Und Entwickler gelten, weiß der Himmel warum, als Götter. Wir haben die Macht. Sagt man. Und das Wissen. Sagt man. Und dann noch ein Gott der Ironman ist. Das hält man ja gar nicht aus. Sachen gibt es!
So war es irgendwie so, als wäre ich ein VIP. Alle paar Minuten stand jemand anderes an meinem Schreibtisch: „Schön dich endlich mal kennenzulernen …“, „habe schon viel von dir gehör …“(ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert) , „dich mal persönlich zu treffen … “ 😯
Ich kam aus dem Lachen und Staunen gar nicht mehr raus. Wenn die wüssten …. 😀
Und gelaufen bin ich auch in Berlin. Morgens vor dem Frühstück. In der Hoffnung, das noch nicht so viele Menschen unterwegs sind. Aber es wäre auch egal gewesen. Die Menschen nehmen eh keine Notiz von einem. So wie auch der Radfahrer keine Notiz nahm von der kleinen Gruppe von Erstklässlern, durch die er einfach durch fuhr. Oder die Muslemische Mutter keine Notiz nahm von ihren beiden kleinen Kindern an der Hand, weil sie ganz und gar damit beschäftigt war zu telefonieren mit dem großen Smartphone welches sie sich mit ihrem Kopftuch ans Ohr gebunden hatte. Oder die Mutter, die ihrem vielleicht 7 Jahre alten Kind mit großem Schulranzen auf dem Rücken schnell noch an einem der unzähligen Kioske ein belegtes Brötchen kauft damit es dieses noch schnell auf dem Weg zur Schule essen kann.
Alles nebenbei. Das ganze Leben To Go! Je mehr ich sehe um so mehr finde ich das alles krank.
Sind wir noch zu retten?
Also ich ja. Ich habe mich gerettet mit einem Flug zurück in den beschaulichen Hunsrück. 1 Woche Berlin reicht wieder. Entweder bin ich inzwischen ein Mimöschen oder aber einfach zu alt für diesen ganzen Quatsch 😆
Ich mag mein Frühstück am Tisch, ich mag sogar die komischen Leute im Dorf, die immer noch manchmal komisch gucken wenn ein orangefarbenes Etwas Richtung Wald läuft oder fährt. Ich mag das hier doch noch alles etwas langsamer läuft. Und ich mag den Wald, die Stille dort, die auch manchmal ziemlichen Lärm bedeutet wenn z.B der Wind durch die Bäume pfeift oder aber eine Wildscheinrotte durchs Gebüsch spurtet.
Ich bin froh zu sein, wo ich bin.
Nur eine Sache ist doof hier: Hier hat man längst erkannt, das ich keine Gottheit bin. 😐
So ein Sch..ß aber auch. 😈
Das Erkennen meiner wahren Bestimmung war das einzig Gute an diesem ansonsten so schrecklichem Berlin 😛

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Na dann…

wollen wir auch mal vom Ultratrai Uewersauer berichten, nachdem Rainer und Volker ja schon vorgelegt haben. Das wir so spät dran sind hat nicht etwa damit zu tun, dass wir den Lauf erstmal mental verarbeiten müssen oder so ;-). Nein, es ist ganz einfach ein Mangel an Zeit. Das Jahr neigt sich dem Ende, Black Friday und Cyber Monday sind im Anflug und Helge wär lieber im Abflug. (Am liebsten gaaaanz weit weg von diesem Monster-Kaufrausch-Cyber-Wahn 😐 ).
Und auch bei mir läuft der Jahresendwahnsinn schon seit 1 bis 2 Wochen. Ach ja, weil wir gerade beim Laufen sind. Nach 3 Wochen Extreme-Tapering freute ich mich riesig auf die Staffel mit Volker und Helge. Als der Wecker um 5:30 Uhr klingelte war ich allerdings mal wieder kurz davor, meine aktive sportliche Laufbahn zu beenden.(Gib es auf Karina, du kommst nicht weg 😆 ) In Luxemburg angekommen empfing uns blauer Himmel und eisige Temperaturen. Das kann man ja auch so erwarten Mitte November. Der noch Anfang der Woche angekündigte Schnee sollte auch wegbleiben. Ich wollte in diesem Jahr das erste Staffelteilstück laufen. Dieser Teil, ist quasi der „Leichteste“, es geht nämlich mehr bergab als bergauf. Volker hatte mit dem mittleren Abschnitt, den Schwersten. (Und ich den „schmutzigsten“. Was für eine Matsch-Freude)  Der steht mir im nächsten Jahr bevor. Da dann hoffentlich ohne vorherige Erkältung und mit entsprechenden Training. Weiterlesen

Gruselig

Ich bin kein Fan von Halloween und eher entsetzt, das sich dieser Brauch hier bei uns auch immer mehr durchsetzt. Ich weiß nicht, was an enstellten Fratzen und Masken schön sein soll. Aber wahrscheinlich bin ich einfach zu alt für so nen Quatsch 🙄
Letzten Dienstag allerdings hat mich ein Halloween Geist besucht. Und glücklicherweise war ich nicht alleine und kann so ausschließen, das ich einfach nur bekloppt bin.
Seit Monaten arbeite ich an einem schwierigen Project. Also nicht wirklich technisch schwierig, aber irgendwie gefährlich. Weil am 01. November wollte der zweitgrößte amerikanischen Online-Marktplatz ein großes Update machen und wir waren gezwungen, unser System einen Tag vorher darauf vorzubereiten, damit der Onlinehandel ganz ungehindert weiterlaufen kann. Weiterlesen