Goldrausch

Wir leben ja in einer leistungsorientierten Gesellschaft. Viele Menschen beklagen sich über Leistungsdruck im Berufsleben und Stress im Allgemeinen.
Ich gestehe, in meinem Berufsalltag empfinde ich keinen all zu großen Leistungsdruck. Zeitdruck vielleicht hier und da mal, Kindergarten ist es jetzt auch nicht, aber das Gefühl, das mein Arbeitgeber Dinge erwartet, die ich nicht im Rahmen meiner Arbeitszeit leisten kann, kenne ich nicht. Wie will man auch die Leistung eines Programmierers messen?
Nimmt man da die Anzahl der Zeilen des geschriebenen Quellcodes oder die Anzahl der im Anschluss auftretenden Systemfehler?
Mein Lieblingskollege hat mich mal als weltbeste Programmiererin bezeichnet (die geschlechstspezifische Bezeichnung musste sein, damit klar ist, ER ist der weltbeste Progammierer 🙂 ) und das reicht mir seidem als Grundlage für eine Leistungsbewertung völlig aus 😆

Beim Sport ist das ganz anders. Da kann man Leistung ziemlich gut messen. Wenn man das möchte. Wettkämpfe sind eine Variante um rauszufinden, wie man so drauf ist. Ein Leistungstest bei einem Profi eine andere.
Ich hatte dieses Jahr ja schon 2 Leistungstests. Und nun sollte noch einer sein. Einfach mal um zu sehen, was 1 Trainingslager und 5 weitere Wochen Training so bringen.
Und so war ich also Mittwoch wieder beim Trainer und habe mich auf diese MESS-Maschine gesetzt und wurde an Pulsmessgerät und Atemmaske angeschlossen (da kann man nicht reden!!!!! 😯 ) und dann ging es los.
Ich hatte dem Trainer vorher schon berichtet, das ich mich gerade großartig fühle. Auf dem Rad fühlt ich mich jederzeit bereit, Bäume rauszureißen oder den Mont Everest zu erobern. Mal schauen, ob ich mir das alles nur einbilde, oder ob der Test das bestätigen kann.
Und er konnte! So sehr, das der Trainer quasi sprachlos war.
Meine aerobe Schwelle hat sich um 40 Watt nach oben verschoben 😯
Ich kann richtig schnell Radfahren ohne das meine Muskeln Laktat produzieren oder meine Kohlenhydratespeicher angezapft werden. Den im Test benutzten Vergleichsberg mit 11 km Länge und 770 HM (Schauinsland im Schwarzwald) könnte ich jetzt (rein theoretisch) 8 Minuten schnelle hoch fahren im Vergleich zu vor 7 Wochen 😯
Das ist absolut irre! So irre, das der Trainer mich fragte, wie ich das gemacht habe 😀
Meine Antwort war natürlich einfach: Ich habe einen guten Trainer und mache im Normalfall 1 zu 1 was er sagt 😆
Auf jeden Fall war der Trainer begeistert (und ich erst!) und wir wissen nun beide ziemlich sicher, das wir bisher wohl wenig falsch gemacht haben 🙂

Ebenfalls um Leistung ging es heute als Karina und ich pünktlich 10 Uhr im Konzer Stadion standen, um das Sportabzeichen abzulegen. Aber natürlich ging es erstmal um Spaß. Wir wollten einfach mal was anderes machen. Oder besser: Karina wollte, die Idee kam von ihr 🙂 Ja ja, ich bekenne mich schuldig. Ich wollte schon seit ewigen Zeiten mal wieder das Sportabzeichen machen. Jetzt gab es quasi vor der Haustür die Gelegenheit dazu. Helge musste ich nicht überreden, bei sowas ist sie natürlich immer dabei. Einige Male bekamen wir die Frage, warum wir das machen. Ganz einfach, weil wir immer weder für andere Herausforderungen zu haben sind. Immer nur schwimmen, radeln und laufen….  Mein letztes Sportabzeichen stammt noch aus der Schule – quasi unsere Bundesjugendspiele. Es wurde also wirklich mal wieder Zeit. 

Beim Sportabzeichen muss man je eine Disziplin aus 4 Kategorien absolvieren. Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination und Kraft. Wir hatten uns für 800 m Schwimmen, 25 m Schwimmen, Seilspringen und Medizinballweitwurf entschieden. Da wir das Ganze nicht auf die leichte Schulter nehmen oder denken, dass wir das mal ebenso machen, trainierten wir neben dem Schwimmen, Radfahren, Laufen auch immer wieder Seilspringen und Medizinballweitwurf. Ja, wir haben es wirklich mehrfach geübt. Hochsprung oder Weitsprung hatten wir auch überlegt, aber die Verletzungsgefahr war dann doch zu groß. Wir sind schliesslich keine 20 mehr.
Die ersten beiden Disziplinen waren mehr oder weniger geschenkt.  Die Zeiten, die man als Frau in unserer AK für Gold schwimmen muss, sind für uns keine Herausforderung. Die Alternativen waren ein 3000m Lauf, 10km Lauf oder 20km Radfahren im Bereich Ausdauer oder 50m Sprint, 200m Radfahren im Bereich Schnelligkeit. Das Seilspringen im Laufschritt mit 80 Durchschlägen ohne Unterbrechungen hielten wir erst für schwierig. Man bleibt an so einem Seil ja auch mal hängen. Und anstrengend ist das auch noch. Aber wir haben es beide im ersten Anlauf geschafft 🙂 Eine gewisse Anspannung war aber auf jeden Fall vorhanden. Wie geschrieben, kann man schnell mal Hängen bleiben. Gut, dass wir schon so alt sind, denn an Doppeldurchschlag oder Kreuzdurchschlag wäre zumindestens ich kläglich gescheitert oder hätte jemanden gebraucht, um mich wieder aus den Seilen zu befreien.
Beim Medizinballweitwurf brauchten wir dann beide alle 3 Versuche um über die geforderten 8 m zu kommen, aber auch das haben wir gemeistert.
Und dabei haben wir selbstverständlich auch noch gut ausgesehen 😆

Wir haben es tatsächlich geschafft in allen 4 Kategorien Gold zu erreichen und das war bis auf das Schwimmen wirklich kein Selbstläufer.

Wer sich selbst mal versuchen möchte:    Leistungsübersicht

Und weil wir noch nicht genug vom Sport hatten, sind wir nach einem köstlichen Mittagessen, das der zweitbeste Ehemann der Welt (aus Karina’s Sicht natürlich der beste 🙂 ) gezaubert hatte, noch mit Bergziege Frank Rennrad gefahren. Und bis das Gewitter und der Regen die Sicht trübten, fuhren wir durch eine wunderbar grüne Eifel. Einfach unglaublich schön die Welt, in der wir leben dürfen 🙂

Weitere Bilder von der Tour gibt es nicht, denn unsere Handys sind nicht wasserdicht. Aber wir wollen nicht meckern, schliesslich braucht die Natur dringend das Wasser. Aber kann die Natur das bitte auf einen Wochentag verlegen und nicht immer aufs Wochenende… Es macht keinen wirklichen Spass einen Berg entgegen einer Strömung hinaufzufahren ;-).

Windberge und Windbeutel

Frühjahr ist Trainingslagerzeit. Nun, da Gran Canaria dieses Jahr für mich nicht in Frage kam, blieben die Osterferien und die Lausitz :-). Ich wollte schon seit längerer Zeit endlich mal wieder flach fahren, hihi. Also ging es mit Kind, Rad und Bogen Richtung Eltern. Leider ohne Göga, der arbeiten durfte. Geplant war ein Doppeltrainingslager 🙂 : Julia – Bogenschiessen, ich – Radfahren und Laufen. Und am Ende der Trainingswoche gab es für jeden von uns einen entsprechenden Wettkampf. Was für ein Zufall 😉 . Tja, und wie es sich gehört, wenn Engel reisen – wir hatten perfektes Wetter – also bis Freitag Abend 🙂 . Am ersten Tag absolvierte ich einen schönen langen flachen Lauf. Ich machte einen Streckencheck der Laufstrecke des Triathlons am Sonntag.

Ich lief einfach mehrfach die 5km Runde und versuchte mir Steine und Wurzeln einzuprägen. Denn für gewöhnlich bekomme ich nach dem Radpart beim Laufen die Füsse nicht mehr ganz so hoch.  Ausserdem war ich im Wald ziemlich gut vor dem doch recht starken Wind geschützt. Am Nachmittag wurde es etwas besser. Julia und ich machten uns auf zu meiner alten Wirkungsstätte im Bogenschiessen. Mitten im Wald ist einer der schönsten Bogensportplätze der Republik angelegt. Dank Aufforstung inzwischen auch wieder windgeschützt. Ein „alter“ Weggefährte von damals und jetziger Vereinsoberchef leistete uns Gesellschaft beim Training. D.h. Julia trainierte und er schoss ab und zu mal, denn die meiste Zeit verbrachten wir mit quatschen.

Für den folgenden Tag verabredeten wir uns zum Rennradfahren – 55km und 170 Höhenmeter. Gefühlt waren es mindestens 1000HM – denn die Windberge waren echt anstrengend 🙂 . Aber ich war ja nicht zur Erholung dort. Immer schön Kette rechts! Und bloss kein Windschattenfahren – das kann ja jeder. Mittwochs ist immer Bahntraining angesagt. Da leider das runderneuerte Stadion mit einer tollen Tartanbahn der allgemeinen Öffentlichkeit nicht einfach so zugänglich ist, musste die alte Aschenbahn auf unserem alten Schulsportplatz herhalten. Dieser Platz wird nur noch als Fussballplatz genutzt, weshalb die Bahn inzwischen ziemlich bewachsen ist. Aber für mich reichte es trotzdem.

Unter den irritierten Blicken der Sportplatzkneipenbesucher und der Kleingärtner rannte ich Runde um Runde, mal schnell mal langsam. Nur das Lauf ABC lies ich weg, sonst hätte vielleicht noch jemand einen Arzt gerufen oder sowas ähnliches 😉 . Tag darauf ging es morgens ins Schwimmbad. Die Frühschwimmer waren anscheinend schon weg – ich hatte eine Bahn für mich alleine – genial. Beckencheck für Sonntag also auch erledigt 🙂 . Nachmittags gab es dann für Julia ein letztes intensives Training vor ihrem Wettkampf am Samstag. Bevor wir uns am Freitag in Richtung Strausberg aufmachten fuhr ich als letzten Streckencheck ein paar Mal die Radrunde und hoffte inständig, dass der Wind sich noch etwas legen würde. Ach, ich glaube ich hatte es schon erwähnt,  ich konnte die ganze Zeit in Kurz-Kurz trainieren, shoppen und Eis essen… Da Julias Wettkampf am Samstag schon um 9 Uhr startete, reisten wir also einen Tag vorher an. Schliesslich sollte man ja ausgeruht an den Start gehen. So war der Plan. Die ganze Woche über haben wir den Wetterbericht mit in Falten gelegter Stirn verfolgt. Es sollte den ganzen Samstag regnen und kalt werden. Bis Freitag Abend als wir kurzärmlig vom Abendessen ins Hotel zurückkamen wollten wir immer noch nicht der WetterApp glauben. Aber in der Nacht ging es los. Es regnete, donnerte, blitzte – an schlafen war kaum zu denken. Aber wie wir schon oft erlebt haben, sind das beste Vorrausetzungen. Als wir auf dem Platz ankamen, freute ich mich zum ersten Mal in dieser Woche, dass ich so viele warme Sachen eingepackt hatte. Schliesslich wollte ich diese ja nicht umsonst mitgeschleppt haben 🙂 . Inclusive Mütze, Schal und Handschuhe. Nachdem wir vorher noch bei Oma und Opa sämtliche Regenklamotten und Schirme geschnorrt hatten, bleib der Regen aus! Den ganzen Tag kein Tropfen. Ok, nach der Nacht konnte auch nix mehr übrig sein. Für Julia lief es sehr gut,  die Freiluftsaison läuft erst seit knapp 3 Wochen.  Am Ende belegte sie einen super 2. Platz. Gegen 19 Uhr machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück zu Oma uns Opa, denn Sonntag war dann mein Tag 😉 . Nach einer weiteren kurzen Nacht der Blick aus dem Fenster. Trocken aber schw…kalt. Bestes Triathlonwetter also.

Gut, dass es nach dem Schwimmen im Hallenbad eine Unterbrechung von einer Stunde gibt, so zum Duschen, Föhnen, Stylen, Schminken und vor allem warm anziehen. Da zur gleichen Zeit der Spreewaldmarathon stattfand und die Temperaturen einstellig bleiben sollten, war das Teilnehmerfeld in diesem Jahr doch sehr sehr übersichtlich. Das war sehr schade, denn es gibt eine komplett gesperrte Radstrecke und eine sehr schöne Laufstrecke durch den Wald. Ich glaube es waren mehr Helfer an der Strecke als Teilnehmer. Aufgrund der wenigen Starter waren wir auch nur zu Dritt auf der Schwimmbahn. Da wir unsere Bahnen selbst zählen mussten, schwamm ich natürlich 50m zuviel 🙂 🙂 :-). Keine Ahnung, aber spätestens nach 200m bin ich immer raus mit der Zählerei. Ich merkte mir nur, dass ein Mitstreiter mich einmal überrundete und als er aufhörte schwamm ich halt noch eine Bahn – aber auch er hatte sich verzählt. Nur gut, dass sie die Zeit nach den 750m gestoppt haben und nicht die 800m Zeit, hihi. Dann ging es aufs Rad. Mein Ziel, nicht Letzte werden und nicht vom Führenden auf dem Rad überundet zu werden. Es hat tatsächlich geklappt. Als ich in meine zweite Radrunde startete, kam mir der Führende gerade entgegen. Als ich vom Rad stieg, wusste ich, es sind noch ein paar hinter mir und ich lief locker und ohne schwere Beine los. Meist brauche ich 1-2km um reinzukommen, aber diesmal lief es von Anfang an rund. Im Ziel war ich dritte Frau von leider nur 5 gestarteten.

Und um den Tag perfekt zu machen, gab es dieses Jahr sogar Medaillen – eine Sonderedition zum 111-jährigem Bestehen des Vereins Neptun 08 Finsterwalde e.V. . Ich hoffe, dass sie diesen kleinen familiären Triathlon “ Tria Hatz “ erhalten können und die Teilnehmerzahlen wieder steigen werden. Ich möchte auf jeden Fall nochmal dort starten. Insgesamt ein erfolgreiches Wochenende würde ich behaupten:

Und zur Belohnung gab es etwas, worauf ich mich schon die ganze Woche gefreut habe:

Lecker Windbeutel

Auf Probe fahren und am Limit laufen

Nach dem Trainingslager auf Gran Canaria habe ich ausgiebig regeneriert. Die Trainingseinheiten im Trainingsplan waren Optionen: „Regeneratives Schwimmen … wenn du magst …“ , „kurzer, sehr lockerer Lauf, wenn du dich gut fühlst … “ .
Jeden Morgen macht meine Uhr so einen Orthostatischen Test (hat irgendwas mit der Herzfrequenz und der Herzfrequenz-Variabilität zu tun). Und auch dieser Test hatte mir noch tagelang nach dem Trainingslager empfohlen, einfach mal die Beine still zu halten und keinen anstrengenden Sport zu machen. Das kann ich. 😆

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