Geistige Umnachtung x 2

Ja, was Karina kann, kann ich auch. Zumindest was Überschriften angeht und wenn es um völlig bescheuerte Einfälle geht. 😆

Im Mai hatte ich meinen letzten Beitrag geschrieben. Das Jahr war bis dahin eher unsportlich gewesen, aber das wollte ich ändern. Aber dann kam das Leben dazwischen. Wobei in dem Fall eher der Tod dazwischen kam.
Im Juni verstarb meine Mama. Und auch wenn sie schön älter war und auch wenn ihr zwar unerwarteter aber schneller Tod eher ein Segen war, irgendwie hat es mich ziemlich aus der Bahn geworfen. Es war eben die Mama. Sie wird immer fehlen.

Irgendwann ging ich dann wieder zum Lauf- und Schwimmtraining. Meine Leistungen auf dem Rad sind im Moment mittelmäßig bis schlecht, aber beim Laufen und Schwimmen bin ich sehr viel näher an rückwärts als an vorwärts dran 🙄 Letzteres muss ich tatsächlich bestätigen, hihi. (Irgendwie finde ich das Pink nicht mehr ). Helge ist zwar immer noch schneller als viele Andere, aber im Vergleich zu den letzten Jahren… und eine Aufforderung nach intensiven anstrengenden Schwimmtraining ist wie ein Weihnachtsgeschenk für mich 🙂 .
Also was tun? Es braucht ein Ziel. Also meldete ich mich Ende August bei einem kleinen Triathlon in der Region an.
300m Schwimmen, 20km flach Rad und 5 km Laufen. Das sollte ich irgendwie schaffen. Gut, mit bisherigen 48 geschwommenen Km in 2022 und 248 gelaufenen Km (ich bin aber auch fast 200 km gewandert in diesem Jahr), sollte man auch so eine kurze Distanz nicht unterschätzen. Aber es geht ja nur um Spaß.
Und Karina war sofort mit dabei beim Blödsinn. Also anmelden und dann wenigstens die verbliebenen 3 Wochen noch sowas wie Training.
Beim Schwimmen mit Karina, was mir zugegeben auch im desaströsen Trainingszustand mega Spaß macht, bedeutete das, Schwimmen bis die Arme aufgaben. Beim Laufen bedeutete das, mal mehr als 5 km laufen und zwischendurch auch mal mit schwerer Atmung (Geschwindigkeit von ultra langsam zu mega langsam erhöhen). Na und Radfahren …. egal, 20 km würde ich definitv schaffen.
Interessant für mich: gleichzeitig zur Anmeldung erschien ein Grinsen auf meinem Gesicht und eine unglaubliche Vorfreude machte sich breit, welche auch durch Karinas Schwimm-Trainingsprogramm mit drohendem Tod durch Ertrinken nicht verschwand.
Mit mir stimmt definitv was nicht. Das ist nichts Neues, Helge.

Wettkampftag: Ganz wie in alten Zeiten machten wir uns morgens auf den Weg nach Bad Sobernheim. Im Gepäck, wegen flach, unsere Triathlonräder. Seit 16 Monaten hatte ich nicht drauf gesessen, aber egal, wichtig war das gute Aussehen (der Räder! Wobei natürlich auch die Fahrerinnen gut aussahen). Das lenkt vielleicht von fehlender Geschwindigkeit ab.
Zum Glück hatte mir Karina auch noch gesagt, was man zum Triathlon alles mitnimmt. Irgendwie ist das letzte Mal schon so lang her.
Schon die Wechselzone einrichten und diese ganze Aufregung vorher waren einfach nur herrlich. Wie ein Anfänger stand man vor seinem Rad und den Wechselkram und überlegte minutenlang, ob man alles hat, alles an der richtigen Stelle liegt. Immer wieder wurde es überprüft. Wie halt vor dem allerersten Wettkampf. Die ersten Gespräche bezüglich unserer Räder liessen auch nicht lange auf sich warten. Schon am Parkplatz direkt nach dem Ausladen entdeckte ein kleines Mädchen die Räder und freute sich über das Pink. Ich sagte ihr dann noch, dass Helge Pinguine auf dem Rad hat und meines in der Sonne glitzern würde. Die Augen wurden immer größer. Ihr Papa hatte nur so ein „stinknormales“ „langweiliges“ Triathlonrad.
Geschwommen wurde im Freibad auf einer 25m Bahn. Wir waren gleich in der 2. Startgruppe und zusammen auf einer Bahn. Die Absprachen mit den anderen Starterinnen waren unkompliziert und so war klar, Karina startet als Erste, ich als Zweite und die anderen hinter uns. Kein Gedränge, kein nichts.
Ich versuchte auch gleich gar nicht an Karina dran zu bleiben. Das hätte vermutlich nach 50m zum Herzstillstand geführt. Mein Ziel war, knapp unter 6 Minuten Schwimmzeit zu kommen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, das ich schneller kann.
Aber ich konnte. 😯 Und ich gewöhne mich langsam daran, Erste Frau aus dem Wasser zu sein. Cooles Gefühl.
Es war einfach wunderbar. Ich hatte irgendwie einen wirklich tollen Tag erwischt, es fühlte sich völlig unerwartet leicht an. Was ein Spaß.
300 m sind auch ohne Höchstleistung (von der war ich trotz gutem Tag noch ganze Universen weit entfernt) schnell rum und in der Wechselzone musste ich lachen, als ich Karina sah, die völlig entspannt auf dem Boden saß und ihre Radschuhe anzog.
Sie muss da schon eine halbe Ewigkeit gesessen haben, schließlich war sie eine halbe Ewigkeit vor mir aus dem Wasser. 😆 Na ich musste erstmal die kleinen Steinchen vom Weg zur Wechselzone von den Fusssohlen entfernen, Socken anziehen, was bei nassen Füssen „supereinfach“ ist und dann ja noch Schuhe anziehen. Manche haben die Schuhe schon an den Pedalen und ziehen sie während des Fahrens an, aber ey, DAS brauche ich nicht mehr. Dafür bin ich zu alt. Zumindest war ich noch vor Helge aus der Wechselzone…

Die Radstrecke war mehr oder weniger flach und man musste quasi permament wenden. Und treten. Irgendwie war mir vor lauter Spaß die Vernunft völlig abhanden gekommen. Mit einem viel zu hohem Puls und bereits nach 2 km bennenden Beinen, ignorierte ich einfach, dass ich das im Moment gar nicht kann was ich da machte. 🙄
Was eine Freude.

20 km flach auf dem Rad sind irgendwie auch schnell vorbei.
Zurück in der Wechselzone und in die Laufschuhe. Auf dem Rad hatte ich mir bereits tiefe Löcher in die Lunge gebrannt. Kaum auszudenken, dass man das noch toppen kann.
Ich konnte!
5 Tage vorher beim Lauftraining hatte ich echt mal versucht 3-4 km am Stück zumindest mal in einem 6 Minuten Schnitt zu laufen. Es fühlte sich völlig krank an und es war völlig aussichtslos, das Tempo 5 km zu halten.
Naja und dann biste halt beim Triathlon und dein Kopf hat so wenig Sauerstoff, dass du von diesen Geschwindigkeiten, die du angeblich maximal laufen kannst, gar nix mehr weißt.
Pech halt! 😆 So hat es sich bei mir auch abgespielt. Ich war im Ziel auch völlig erstaunt über die Laufzeit, die ich im Triathlon eigentlich gar nicht laufen kann.
Ich rannte los und war viel zu schnell. Und hatte viel zu viel Spaß, obwohl ich völlig fertig war. Bei km 3 war ich total alle, empty, leer, kaputt. Beine und Lunge brannten um die Wette und das Herz raste unkontrolliert. Aber 2 km gingen irgendwie noch.
Ich weiß echt nicht, wie das geht, aber ich lief die 5 (meine Uhr zeigte 4.86 km) km in einem Schnitt von 5:35.
Ganz ehrlich?
Das geht gar nicht. Da kann ich jedem mein Wort drauf geben.
😆 😀

Der Zieleinlauf war herrlich. Unglaublich wie gut sich so ein Triathlon anfühlt.
Was eine Freude wiedermal mit Karina in einem Ziel zu stehen. Inklusive anschließendem Kuchen/Nudel Essen und lustiger Heimfahrt.
Ein sehr schöner Tag 🙂 Und es bestätigt wieder, dass man wieder mehr so kleine „familiäre“ Veranstaltungen unterstützen sollte.
Der Beweis dafür, dass der Tag einfach nur schön war: wir haben kein einziges Foto gemacht. Einfach vor lauter Freude vergessen 😆

Und weil es so schön war, hatte ich direkt 1 Woche später wieder das Vergnügen. Davon berichte ich dann bald 🙂


13 Gedanken zu „Geistige Umnachtung x 2

  1. Ach, wie herrlich, liebe Helge! Super gemacht!
    Schön, wie motivierend ein Wettkampf sein kann. Und unglaublich, wie du aus dem Trainingsvakuum einen so tollen Triathlon hingeknallt hast.
    Ich könnte nie und nimmer 300m in 6 Minuten schwimmen. Und deine Velo- und Laufleistungen scheinen kaum gelitten zu haben!
    OK, es kann sein, dass du zwischendurch dich nach einem Sauerstoffzelt gesehnt hast. Aber mit ein bisschen Training pendelt sich das bald wieder ein.

    Herzliches Beileid zum Tod deiner Mutter. Auch wenn es in diesem Falle eine Erlösung war – es tut trotzdem weh. Ich kann mir vorstellen, dass dir Bewegung an der frischen Luft bestimmt hilft.

    Liebe Grüsse vom verhangenen Mölln!

    • Liebe Catrina,
      ja, irgendwie brauchte ich Wettkampf. Ich hatte fast vergessen wie schön das ist.
      Und das meine Leistungen im Vergleich zu vor zwei Jahren sehr bescheiden sind, fand ich eher sogar erdent. Weil irgendwie spielt es einfach keine Rolle. Es ist einfach toll, das zu machen, was man einfach gerne macht.
      Wenn du genau so überzeugt von diesen 6 Minuten und schwimmen bist, wie ich es war, dann würdest du ohne weiteres die 300 m schneller schaffen 😆
      Mich hat der Wettkampf total motiviert, auch wenn ich heute schon wieder die Arme nach dem gestrigen Schwimmtraining mit Karina kaum noch bewegen kann. 🙂

      Und danke für dein Beileid. Ich glaube es ist egal wie alt Menschen sind, der Tod kommt immer zu früh. Am besten hat mir geholfen 2 Wochen später in der Schweiz in den Bergen gewesen zu sein. Vor 5 Jahren war meine Mutter mit dort. Sie hat diese Berge so unglaublich geliebt (ich denke das hab ich von ihr ).
      Es waren tolle Erinnerungen.
      Liebe Grüße
      Helge

  2. Liebe Helge,

    na denn HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, natürlich auch an Karina, die ja (immer) verdeckt mitschreibt! 😆

    Aber sagt jetzt nie mehr, ihr könnt nicht (schneller), jetzt habt ihr einen Standard gesetzt! Soll ich sagen ÄTSCH, oder ist das zu gemein! 😛 – Wachsen die Löcher in euren Lunge eigentlich wieder zu, oder geht das in Zukunft auch mit Zugluft? 😉

    Vielen Dank jetzt aber erst einmal für den lustigen Beitrag, ich war somit dabei und habe es ziemlich gut nacherleben können. Gefallen hat mir auch, liebe Karina, das Sitzen auf dem Boden in der Wechselzone. Das zeigt Souveränität und das, was ihr in eurem Alter einfach nicht mehr nötig habt! SUPER!!! 🙂

    Jetzt bleibt bitte dran, dann sind recht schnell auch wieder längere Strecken in den gleichen Geschwindigkeiten möglich … und dann rockt ihr alles! 😉

    Liebe Grüße Manfred

    • Lieber Manfred,
      ich habe keine Ahnung, wie die Löcher wieder zugewachsen sind, aber nach ca 2 Tagen habe ich nicht mehr geklungen als hätte ich Belastungsasthma 😆
      Ja, Karina hat das mit der Wechselzone trotz sitzen sehr souverän gemeistert. Oder vielleicht auch WEGEN sitzen.
      Ich habe glaube ich mindestens genau so lang gebraucht. Trotz stehen. Und es sah wahrscheinlich weniger elegant aus 😀

      Ich bleibe dran. Wir haben schon wieder gemeinsame und auch separate Ziele. Allein das planen macht mir Spaß. Und ab November bekomme ich wieder einen Trainingsplan.
      Freu, freu, freu …
      Liebe Grüße
      Helge

  3. … und liebe Helge,

    HERZLICHES BEILEID! – Ich kann dich so gut verstehen, es ist halt doch die Mama!

    Fühl dich gegrüßt und gedrückt
    liebe Grüße Manfred

  4. Liebe Helge,
    der Gedächtnisverlust auf Grund von Sauerstoffmangels während des Bewerbs ist die beste Erklärung, warum Triathlon so viel Spaß macht! 😆
    Suuuper! Ich liebe eure Wettkampfberichte. Ich glaube ich habe beim Lesen schon annähernd so viel Spaß wie ihr, nur muss ich mich dabei gar nicht anstrengen. 😉
    Ich bin auch der Meinung, dass die kleinen Triathlonveranstaltungen die beste Wahl sind und nächstes Jahr werde ich auch selbst wieder an solchen teilnehmen!
    Und jetzt bin ich natürlich noch gespannt, wie ein Pfitschi-Pfeil, was du eine Woche danach denn noch „angestellt“ hast! 😀

    • Liebe Doris,
      ich habe das wirklich wirklich genau so gemerkt. Ich wusste ganz genau, wie schnell ich höchstens laufen kann, aber als ich dann am Laufen war, war das Wissen weg 😯
      😆
      Ich habe mich für meine Ziele nächstes Jahr auch ganz bewusst für die kleinen Veranstaltungen entschieden. Keine Ironman oder Challenge Sachen.
      Aber ich liebäugel tatsächlich wieder mit dem Trumer Triathlon. Da würde ich echt nochmal gerne hin 🙂

      Ich setz mich die Tage mal dran und schreibe von dieser völlig bescheuerten Idee deren Ausführung mich tagelang hat grinsen lassen 😆
      Liebe Grüße
      Helge

  5. Liebe Helge,
    hihi „Back to the Roots“ könnte man sagen, Laufgefühl wie ganz am Anfang. Aber why not? Umso größer ist doch dann die Freude, es trotz minimalstem Training auch geschafft zu haben. Purer geht doch kaum. Fett trainieren und dann ganz vorne liegen kann doch jeder, den wahren Spaß hat man weiter hinten. Super gemacht.
    Das Jahr war eben so, wie es war. Schön, dass wir uns dann auch ohne Inferno getroffen und einen schönen Tag in Thun ohne Tun hatten ;-)!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,
      ganz genau, „Back to the Roots“, einfach machen, und Zeiten spielen in unserer Liga ja eh eine untergeordnete Rolle. Ich finde auch, so ein Zieleinlauf, egal wie kurz der Wettkampf auch war, fühlt sich irgendwie noch viel besser an, wenn man dafür mehr leiden muss 😆
      Ja, es ist auch irgendwie tröstlich, dass nicht alles nach unseren Planungen geht. Es ist halt wie es ist und das Leben muss man halt nehmen wie es kommt und das beste draus machen.
      Der Thun-Tag war herrlich. Das war echt schön mit euch mal wieder durch die Gegend zu wandern.
      Und, dank dir, erschrickt mich jetzt kein Stech-Insekt mehr.
      Du glaubst gar nicht, wie sehr sein Tipp mein Leben verändert hat 🙂
      Liebe Grüße
      Helge

  6. Ach ja, liebe Helge, dieses 2022 konnte sogar noch die beiden schlimmen C-Jahre toppen 😦

    Aber sag mal, Du schwimmst 300 m in 6 min? Das schaffe ich vielleicht gerade laufend 😯

    Ansonsten war es ein Genuß einfach wieder einmal die Helge wie sie leibt und lebt zu erleben. Ich hoffe, dass das künftig wieder öfters vorkommt 🙂

    Liebe Grüße
    Volker

    • Lieber Volker,
      ja, 2022 war nicht leicht, aber es wird bestimmt jetzt wieder besser 🙂
      Ich bin da sehr zuversichtlich.
      Also ich bin die 300m sogar relativ deutlich schneller geschwommen (irgendwas um die 5:40) , ich konnte es mir halt nur nicht vorher vorstellen 😆

      Also ich versuche tatsächlich wieder ein bisschen mehr am Bloggerleben teilzu´nehmen. Und ich glaube das kommt auch tatsächlich von alleine, weil ich wieder mehr am Sportlerleben teilnehme 🙂
      Liebe Grüße
      Helge

  7. Liebe Helge,

    schön dass du wieder da bist! Euren Blog verpasse ich ja oft, da er bei mir nicht in den Reader will (ich nehme an ihr habt das absichtlich so gemacht.)
    Dein Bericht klingt wunderbar – so viel Freude an diesem Triathlon! Und an deine Schwimm- und Laufzeiten komme ich nicht heran auch wenn sie für dich langsam sind. Aber wie du ja schon sagst – eigentlich ganz egal.
    Herzliches Beileid zum Tod deiner Mutter – ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist :(.
    Liebe Grüße!

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