Teil 2 Tridreamteam on Tour (zum Deichläufer)

Tag 2 Nettersheim – Kamp-Lintfort oder der Tag der 1000 Ampeln

Ab heute radelte Andi mit uns weiter gen Norden. Torsten und Julia brachten uns bis nach Nettersheim, wo wir unsere gestrige Etappe beendet hatten. Es war günstiger, mit dem Auto hin und her zu fahren, als eine Übernachtung für 5 Personen zu buchen. Als wir im Auto von Trier nach Nettersheim fuhren, waren es 1-2 Grad und Nebel. Gruselig, absolut gruselig. Aber als wir in Nettersheim mit dem Rad losfuhren, war die Sonne da und es waren inzwischen auch 4 Grad 😆

Eisekalt

Ich zog fast alle verfügbaren Radklamotten an, die ich dabei hatte und dann machten wir uns auf den Weg nach Kamp-Lintfort. Laut Berechnung 147km und 266 HM. Aber wir machten uns keine Hoffnung, dass das am Ende auch so auf unserem Tacho stehen würde. War aber egal, denn jetzt konnten wir es erstmal rollen lassen. Aus der Eifel rollten wir hinunter in die … Rheinische Tiefebene? Oder wie heißt dieses flache Land da? Und der erste ungewollte Umweg lies auch nicht lange auf sich warten. Wahrscheinlich waren wir einfach nur zu schnell, um den Abzweig zu erkennen. Da Andi dabei war, kann man dies jetzt nicht nur als Frauenproblem darstellen :-).

Mit dem Rennrad mitten im Wald …

Nachdem wir also Euskirchen irgendwie und irgendwann dann hinter uns gelassen hatten ging es auf dem Radweg entlang der Erft weiter. Erst haben wir noch Energie getankt bei einer amerikanischen Fast Food Kette 🙄 Eine zeitlang lies es sich auch echt ganz gut fahren, bis uns dieses doofe Navi schon wieder auf unbefestigte Wege schicken wollte. Nun ja, ich muss zugeben,dass das Navi uns ja nur so führte, wie ich es eingegeben hatte – man könnte also auch von einem Bedienerfehler sprechen ;-).
Inzwischen war es auch immer wärmer geworden, wir mussten ganze Kleiderschichten ausziehen. Es kam das Gefühl auf, dass die Radwege doch eher für Mountainbikes oder Tourenräder gedacht sind. Nach dieser Etappe kannten wir dann den Unterschied zwischen dem rot beschilderten Fernradweg und dem grün beschilderten Regionalradweg. Dies wird uns vielleicht irgendwann mal helfen, falls wir nochmal eine ähnliche Tour planen.
Es war echt unglaublich was in NRW als Radweg durchgeht. Das würde man in Holland noch nicht mal als „Weg geeignet für Traktoren“ durchgehen lassen. Zwischendurch überlegten wir uns, das wir eigentlich gar keine MTB mehr brauchen. Unsere Rennräder können jetzt JEDES Gelände 😆

Es sollte allerdings noch viel viel interessanter werden. Es kam Neuss. Es ist ja recht schön, dass es einen Radweg durch Neuss gibt, dass es aber ungefähr tausend Ampel dazu gibt, steht nirgends beschrieben. Wir „fuhren“ durch Neuss. Ein- und Ausklicken kann ich jetzt super. Für 4km brauchten wir etwa 40min. Das hatten wir bei unserer Planung natürlich nicht einberechnet. Irgendwann fingen wir an wirre Gedankengänge zu entwickeln. Helge sprach davon, ich sollte doch das nächste Mal Pfeil und Bogen einpacken. Dann könnten wir schon so 50-100m vor der Ampel eine Pfeil auf den Drücker abschiessen, damit die Ampel grün ist, wenn wir sie erreichen. Pfeil und Bogen deshalb, das wir es mit dem Bälle werfen nicht so haben und Karina ja eigentlich Legolas ist. Unsere Konzentration sinkt etwas. Ich schubse Helge an einer Ampel um, als ich mein Rad gerade stellen will, was ihr die nächsten Tage ein blaues Knie beschert.
Ich war total unaufmerksam, weil ich im Kopf jede Menge Gewaltfantasien gegen Ampeln entwickelte. Und irgendwie stand ich schon, aber eben noch nicht ganz und dann bekam ich einen kleinen Stupser und schon lag ich 😆
Dies bleib allerdings unser einziger „Unfall“ auf der gesamten Strecke. Auch ist es so, dass man bei Überquerung einer vierspurigen Strasse nicht automatisch „Grün“ über alle Spuren hat. Nein, man darf auf der Insel in der Mitte nochmal den Drücker betätigen. Helge hat das auch gerne mal ignoriert. (ich war einfach durch. Ich konnte Grün und Rot irgendwann nicht mehr unterscheiden 🙄 )
Passiert ist Gott sei Dank nix. Es gibt halt keine Ampeln auf den Strecken, auf denen wir sonst fahren. Nach Neuss sind wir tatsächlich mit unseren Nerven durch und haben keine Lust mehr. Gut, dass wir Telefonjoker Torsten haben, der schon mit Julia am Etappenort Kamp-Lintfort weilt und inzwischen die ganz Lebensgeschichte des Hoteliers kennt. Nach gut 120km, 390HM und unglaublichen 5:45h reiner Fahrzeit erreichen wir Meerbusch und beschliessen, Torsten anzurufen. Es ist schon ziemlich spät und wir wollen noch irgendwo etwas zum Abendessen bekommen. Man muss halt wissen, wann man verloren hat oder aber die Ampeln gewonnen haben 😆
Morgens früher loszufahren war übrigens keine Option, denn wir haben Urlaub und sind nicht auf der Flucht. Also schenken wir uns und unseren Nerven die letzen 25-30km ( je nachdem… ) und lassen uns abholen.

26 Gedanken zu „Teil 2 Tridreamteam on Tour (zum Deichläufer)

  1. Das ist doch was man „rote Welle„ nennt – wenn jede Ampel auf Rot schaltet… 🙄
    Rennräder, die jedes Gelände können – cool!! 😜 Wenigstens weiß ich jetzt, dass in Richtung Norden hinauf nicht nur bergauf geht – beim Autofahren merkt man das ja nicht so… 😉
    Urlaub und nicht auf der Flucht – das gefällt mir besonders gut! Vor allem, dass auch Ihr als eingefleischte Triathleten es auch mal „locker“ nimmt 😊
    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,
      ja irgendwann haben wir einfach nur noch überall rot gesehen ;-). Wir waren nur froh, dass wir nicht die Triathlonbikes genommen hatten. Die Rennräder verkraften Offroad eigentlich ganz gut.
      Liebe Grüße
      Karina

  2. Liebe Heldinnen (und lieber Held),
    Radtouren durch vermeintliche Großstädte sind nie gut, meist lohnt es sich die Städte zu umfahren, mehr Kilometer, aber weniger Fahrtzeit 😊
    Das mit dem Sturz ist blöd, aber wenigstens ist nichts schlimmeres passiert und irgendwas ist bei einer solchen Distanz immer. Hattet ihr keine technischen Defekte? Haben eure Rennräder das offroaden klaglos mitgemacht?
    Freu mich, dass es trotz der Widrigkeiten geklappt hat und wer erinnert sich am Ende an die fehlenden 25 Kilometer? Keiner 😉

    Salut

    • Lieber Christian,
      wenn wir insgesamt einen Tag mehr eingeplant hätten, wären wir wahrscheinlich um die ganzen größeren Städte herumgefahren. Mir den Rennrädern sind wir schön des öfteren mal in unwegsamen Gelände gelandet – dass passiert uns hier nämlich auch ab und zu. Oft fahre ich auch den letzten km nach Hause durch den Wald hoch, um nicht die Hauptstrasse berghoch ( und zwar wirklich berghoch ) nehmen zu müssen. Wir habe noch so quasi alte Stahlrösser und keine Carbonrennräder. Deshalb stecken die das gut weg.
      Liebe Grüße
      Karina

    • Lieber Christian,
      ich wollte ja immer die Autobahn nehmen, aber man hat mich daran gehindert 🙄
      Das mit den technischen Defekten kommt noch, aber Offroad haben sie alles perfekt mitgemacht 😆
      Liebe Grüße
      Helge

  3. Liebe Karina, liebe Helge,
    vor lauter Aufregung beim Lesen und Kommentieren des ersten Teil, habe ich ganz vergessen meinen größten Respekt vor eurer Leistung zu zollen! Thubä (mit Ti-Äitsch) 😉
    Die Höhenmeter – neben der ganzen Verfranserei – hätten mich niedergestreckt!

    Und jetzt noch die Stadt der tausend Ampeln. Ich glaub ich hätte das Klicken verlernt und nicht umgekehrt! 😆

    Umweg und Andi: ich glaube, dass er sich nur höflich zurückgehalten hat, weil er kein Besserwisser sein wollte! Oder hat er das Extra-Training vorgezogen? 😎

    Was auf jeden Fall gut ist, dass ihr euch nicht hetzen lasst, gemäß meines Mottos: Der frühe Vogel kann mich mal! – Es war trotz allem Urlaub! – Hoffentlich ist das Knie nicht noch dick geworden?! 😳

    Also: RESPEKT! RESPEKT! – Sowas mehrfach hintereinander!

    Mal sehen, wie es weitergeht! – Bin gespannt!
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,
      vielen lieben Dank und ich hatte deinen Kommentar bei Volker übrigens nicht als dispektierlich (schreibt man das so? ) empfunden :-). Alles gut. Andi ist meist so 10m hinter uns gefahren, damit er trainieren kann und nicht wie ich bei Helge im Windschatten lutscht ;-). Das Knie ist wohl wieder in Ordnung. Jedenfalls habe ich die letzten Tage keine Klagen mehr gehört.
      Wenn man Zeit hat, sind die Höhenmeter gar nicht so schlimm. Wir sind dann halt ganz langsam hochgeradelt und in gaaaanz langsam bin ich die Königin. Da kann ich jeden schlagen ;-).
      Liebe Grüße
      Karina

    • Lieber Manfred,
      Andi ist auch als Kampfrichter bei Triathlon-Wettkämpfen tätig und hält sich immer an die Vorgaben: kein Windschattenfahren 🙄
      Männer! Wir Mädels hatten also immer schon den weiteren Weg bestimmt, wenn Andi kam 😆
      Liebe Grüße
      Helge

  4. Liebe Rennradoffroadspezialistentruppe!
    Wozu gibt es denn überhaupt sowas wie Trekking- oder Mountainbikes, wenn ihr einfach jeden „Radweg“ mit euren Rennflitzern bezwingt? Ich glaube, wenn das die Radindustrie erfährt, bekommen die sowas von Muffensausen! 😉 Hut ab! Da wäre ich bei der Etappe wohl nicht nur an den roten Ampeln verzweifelt!
    Dafür, dass die Fahrt „nicht ganz“ problemlos verlaufen ist, seid ihr aber ganz schön weit gekommen! Wen interessieren da ein paar fehlende Kilometer am Ende eines Tages… 😀
    Was für eine Fahrt! Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

    • Liebe Doris,
      naja ich muss zugeben, dass wir irgendwann so von Radwegen genervt waren, dass wir zeitweise auf die Strasse gewechselt haben, da wo nicht soviel los war. Da wir relativ alte und stabile Rennräder haben, also keine Carbonflitzer, halten die ziemlich viel aus und wir auch.
      Liebe Grüße
      Karina

  5. Hallo Ihr Helden der grünen und roten Radwege,
    endlich konntet Ihr das Gefälle der Eifel nutzen, um die niederrheinische Tiefebene zu entern! Wobei die Neusser Euch dann leider mit ihrem Ampelwald wieder ausbremsten. Gute Idee, da vielleicht mit Pfeil und Bogen auf Ampeldrückerpirsch zu gehen 😉 Wäre eigentlich noch eine Geschäftsidee für ein neues Radlergadget! Mein Respekt für Eure Tour, Wahnsinn, Klasse! Bin gespannt, welche Abenteuer noch weiter auf Eurem Weg lagen!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,
      also wenn wir Radfahrern begegneten, dann kamen sie uns fast immer entgegen und wir murmelten für uns „falsche Richtung“ oder „bergab und mit Rückenwind kann jeder“ ;-). Das nächste Mal melden wir uns vorher bei dir. Jetzt können wir ja die Strecken und Zeiten besser einschätzen.
      Liebe Grüße
      Karina

    • Liebe Elke,
      an der Erft entlang überlegten wir, das es ja gut sein könnte, das du uns begegnest 😀
      Wäre sehr witzig gewesen.
      Liebe Grüße
      Helge

      • Das wäre echt der Hammer gewesen. Wahrscheinlich hätte ich an Gespenster geglaubt oder sowas. Wobei – die tragen ja meist kein Orange 😉
        Also, für eine Wiederholung ist ein V-Punkt hiermit angeboten!
        Liebe Grüße
        Elke

  6. Hallo ihr beiden, erstmal Respekt für diese ganze Aktion, tolle Sache! Durch Neuss mit dem Rad zu fahren … tja, ich hätte euch warnen können, da laufe ich nicht mal lang!
    Aber danach wird es dafür umso besser gewesen sein, flacher gehts ja kaum und die Bevölkerungsdichte nimmt nördlich Rheinland ja schnell ab.
    Wie gesagt, tolle Aktion, wie ja auch als „Finale“ schon beim Volker zu lesen.
    Viele Grüße, Oliver

    • Lieber Oliver,
      wenn wir einen Tag mehr eingeplant hätten, wären wir wohl um alle Städte drumherum gefahren oder einfach weitesgehend durch Holland. Da war es einfach traumhaft zum Radfahren. Du hast Recht, danach war es eher schwierig, die weit auseinader liegenden Ort mangels Hinweisschildern zu finden. Aber immer noch besser als alle 30 sec. anhalten zu müssen.
      Liebe Grüße
      Karina

    • Hallo Oliver,
      im Nachhinein finde ich Neuss musste sein. Weil ich hätte das ja gar keinem geglaubt, wenn er mir davon erzählt hätte 😆
      Jetzt allerdings weiß ich das ich ganz ganz sicher nie wieder mit dem Rad durch Neuss fahren werde 🙂
      Liebe Grüße
      Helge

  7. Liebe Karina, liebe Helge,
    bezeichnend, dass euch die Widrigkeiten der Zivilisation den radlerischen Zahn gezogen haben, die Höhenmeter vom Vortag und die rauen Wege aber nicht! 😆 Ampeln sind für mich schon in Trier DIE Nerverei schlechthin. Da möchte ich mir Neuss gar nicht vorstellen. Merke: für lange Touren immer so viel Zeit einplanen, dass man Städte umfahren kann. Auf dieses Stop-and-Go hätte ich auch keine Lust.

    Liebe Grüße
    Anne (gespannt auf die Fortsetzung 😉 )

    • Liebe Anne,
      ja, es interessant, dass uns diese Ampeln und fehlenden Hinweisschilder mehr zu schaffen gemacht haben als die km ansich. Das wird uns sicher auch so nicht nochmal passieren.
      Liebe Grüße
      Karina

  8. Haha! Ihr habt um 25 km geschummelt! Das kann so nicht stehen bleiben. Das müßt Ihr also nochmal machen! Wann kommt Ihr? 😀 😀 😀

    Nein, im Ernst, irgendwann ist es mal gut und Nerven und Magen wollen beruhigt werden. Von dem Sturz hattet Ihr auch gar nichts erzählt. Gut, dass nichts schlimmeres passiert ist.

    Liebe Grüße an die Heimkehrer aus dem sommerlichen Oldenburg
    Volker

    • Lieber Volker,
      geschummelt … aber nicht doch. Da wir ja die anderen Etappen mehr gefahren sind als berechnet, fehlt am Ende gar nicht so viel 😆
      Der Sturz war unspektakulär. Bis auf ein blauer Fleck erinnert nix mehr daran. In Oldenburg hatte ich den schon wieder ganz vergessen 😀
      Liebe Grüße
      Helge

    • Echt, wir hatten nicht erzählt, wie ich Helge an der Ampel einfach so umgeschubst habe?
      Hier ist es jetzt endlich auch sommerlich. Dafür sind die Radwege leider wieder übervoll. Also doch lieber kalt und regnerisch? Hm….?
      Liebe Grüße
      Karina

    • Lieber Markus,
      nachdem ich dann meinen Sattel gegen Helges Ersatzsattel ausgetauscht hatte, war das für das Sitzfleisch gar nicht mehr so schlimm 🙂 🙂 :-).
      Liebe Grüße
      Karina

  9. Das mit den Etappen wird offenbar immer populärer!
    „Es war echt unglaublich was in NRW als Radweg durchgeht.“ Und dann an jedem Ortsschild der Zusatz „Fahrradfreundliche Stadt in NRW“. Es ist ein Witz!

    • Man könnte das natürlich auch an einem Stück fahren. Aber schliesslich sind wir ja nicht bekloppt oder verrückt oder so….
      Abgesehen von den Radwegen, wären ein paar mehr Hinweisschilder/Richtungsschlider auch nicht schlecht gewesen.
      Liebe Grüße
      Karina

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