Frauensache

Die Herbst- und Wintersaison hat begonnen. Das hatte ich ja beschlossen. Und weil Karina die Idee ganz gut fand, hat sie diese gleich mit übernommen 😆  Ich denke nach 3 Wochen Sportpause kann man ruhig von Saisonstart sprechen.
Und was macht man zu Beginn einer Saison?
Richtig! Einen Triathlon.
In meiner Heimatstadt Zwickau in Sachsen ist wie jedes Jahr im Herbst ein echt witziger Triathlon. Schon in den letzten zwei Jahren war ich dort zu Gast und genau so wie vor zwei Jahren war auch dieses Mal Karina mit dabei.
Und weil Frauen ja auch mal unter sich sein wollen (wann sonst kann man denn mal über die Männer reden? 🙄 ), durften Andi und Torsten zu Hause bleiben und wir beide machten uns am Samstag alleine auf den Weg in den Osten des Landes.
Karina als Autofahrer und ich als Alleinunterhalter 😆 Die Fahrzeit verging soooo schnell :-).


Was uns in Zwickau beim Triathlon erwarten würde wussten wir nicht. Ich hab mein Training rapide runtergefahren und muss aufpassen, nicht in den Winterschlaf zu verfallen. Karina hat vor drei Wochen gerade ihren ersten Ultra gefinished. Und hat dieses Jahr ihr Rennrad meist nur im Ruhezustand gesehen. Aber wir dachten uns, für eine Olympische Distanz sollte es reichen. 🙂 und am Besten aussehen würden wir sowieso.
Also Sonntags morgens nach dem Frühstück auf zur „Glück Auf“ Schwimmhalle und die Startunterlagen abgeholt. Die Kinderrennen waren schon am Laufen und wurden wegen der „winterlichen“ Temperaturen (mein Gott, seit wann sind 11 Grad winterliche Temperaturen, die Sachsen werden wohl auch langsam weich) aber in leicht veränderter Form durchgeführt. So durften die Kids nach dem Schwimmen erstmal sich im Warmen anziehen und die Haare föhnen bevor dann in der Reihenfolge der Schwimmzeiten mit dem Rad gestartet wurde.
Für unser Rennen war diese Änderung aber nicht zu erwarten.


Wir waren auf Bahn 5 eingeteilt (ich hatte vorsorglich die gleiche zu erwartende Schwimmzeit wie Karina angegeben) mit 5 anderen Schwimmern. Karina in pinker Badekappe und ich in grün weil orange gab es nicht. Direkt nach dem Start galt es erstmal eine gute Position zu finden, weswegen Karina gleich mal ordentlich loszog. Mein Ziel war es einfach an ihren Füßen zu bleiben. Koste es was es wolle. Schnappatmung und Maximalpuls inbegriffen 😆
Und so zogen wir 50m Bahn um 50m Bahn, 1500m lang, und ich schwamm wie ein Schatten hinter Karina. Natürlich hatten wir das vorher abgesprochen, denn auf dem Rad und beim Laufen kann ich eh nicht mithalten. Aber so hofften wir, dass Helge vielleicht eine Chance gegen all die jungen Hühner hat, um aufs Podium in der Gesamtwertung zu kommen. Im Wasserschatten Schwimmen spart natürlich Kraft und ich wusste, das ich mich beim Radfahren oder Laufen nicht revanchieren konnte (durfte). Aber irgendwann mach ich mal wieder Tempohäschen für Karina 🙂 Irgendein Halbmarathon wird sich sicher finden, damit mich Helge mal an die 2 Stunden Grenze pacen kann.
Wir waren jedenfalls Ruck-Zuck aus dem Wasser, was leider bei der offiziellen Zeitmessung ganz und gar nicht so rüber kam, da die erste Zeitmessmatte nach der Wechselzone lag. Und die Wechselzone lag auch noch Meilen weit (na ein kleines bisschen übertreibe ich jetzt 😉 – nein, du übertreibst nicht ) entfernt von der Schwimmhalle und in die Wechselzone kam man auch nur über eine Gerüstbrücke, die mega rutschig war. Und so sieht es laut Zeimessung so aus, als wäre ich schneller als Karina geschwommen, wobei ich einfach nur Helm und Radschuhe anzog und mit dem Rad unterwegs war, währendessen Karina wie die meisten anderen noch wärmere Kleidung anzog. Da ich erwartete etwas länger auf der Radstrecke zu sein als Helge, musste ich mich natürlich wappnen. Ich hatte sogar Knielinge dabei, aber das hielt ich dann doch für übertrieben. Eine Jacke musste allerdings sein. Schliesslich wollte ich „bergab“ bei gut 50km/h nicht erfrieren.
Aber ich dachte mir 11 Grad und trocken und nur 40 Km, nee, da brauch ich keine trockene oder warme Kleidung. Schließlich hab ich ja in den kalten Bergen trainiert 😆
Und jetzt kommt der witzige Teil des Triathlons: Die Radstrecke. Man fährt Runden. Im Vergleich zum letzten und vorletzten Jahr war die Radstrecke schon wieder etwas anders, aber eines blieb gleich: Berg hoch – Wende – Berg runter – Wende – Runde durch ein Stadion (extra würzig durch eine kurze steile Kopfsteinpflaster Auf – und Abfahrt) – Berg hoch … und das Ganze 7 mal. Also wirklich witzig 😆 Während der ersten Runde überlegte ich mir, das mit dem Triathlon zu lassen und wieder mit dem Bogensport anzufangen, wenn nicht bald jemand mein Hinterrad loslassen würde. Es war echt zäh. Aber ab Runde Vier wurde es irgendwie warum auch immer leichter.
Also donnerte ich einfach mal los. 40 Km sind ja jetzt auch nicht wirklich viel. Und knapp 700 HM schrecken mich ja auch nicht ab. Und außerdem war es unglaublich kalt, also besser ich beeile mich etwas. Beim ersten Mal Berg hoch stellte ich noch ganz großkotzig fest, das es eigentlich gar kein richtiger Berg ist. Aber schon beim zweiten Mal wurde mir klar, das auch ein „kein richtiger Berg“ ganz schön auf die Beine und Puste gehen kann wenn man ihn denn oft und schnell genug fährt. 🙄
Karina begegnete mir in fast jeder Runde zwei Mal und ich glaube, schon ganz am Anfang hatte sie beschlossen, demnächst wieder mehr Rad zu fahren 😆

Karina auf Kopfsteinplaster unterwegs

Für mich war das Ganze einfach nur cool, genau mein Geschmack, und die Strecke blieb sogar trocken, trotz der Dauerregenvorhersagen. 😎
Ich überholte eine junge Frau, die sich wohl etwas übernommen hatte und sich völlig kraftlos den Berg hoch quälte. Ich war mir ziemlich sicher, beim Laufen würde sie mich wieder einholen.
Zurück in der Wechselzone hatte ich Eiszapfen an den Füßen aber ansonsten war mir wirklich warm. Und auf der Laufstrecke kann man Füße ja wieder aufwärmen. Ich brauchte ca. 2 holprige Km und dann lief es. Man musste vier 2,5km  Runden auf einer Wendepunktstrecke laufen und musste ständig den Muldendamm hinauf bzw. hinunter. Inzwischen kannte man alle Starter, da man ihnen immer wieder begegnete.
Irgendwie war das Laufen ein „Selbstläufer“. Ich hatte zwar keine Uhr und keine Ahnung von Zeit und zurückgelegter Strecke, aber es fühlte sich unglaublich gut an. Irgendwie bescheuert, aber es machte irre Spaß schwer nach Luft schnappend durch die Gegend zu rennen 😆 Als ich auf die Laufstrecke ging, kam gerade die erste Frau ins Ziel. Sonst war ja immer der Schwimmpartfür mich am angenehmsten. Aber diesmal war das Laufen für mich gefühlt grandios. Ok, vielleicht hatte ich mich auch auf dem Rad zuviel ausgeruht. Ich musste mich echt bremsen und versuchte ein gleichmäßiges Tempo zu laufen. In der dritten Runde beschleungte ich nochmal etwas, denn ich wollte unbedingt eine Frau überholen, die mich auf der Radstrecke einkassiert hatte. Ich saugte mich immer näher und war schwupps vorbei. Genial. Ich hätte noch stundenlang so weiterlaufen können. Muss wohl an der langen Pause oder dem „Ultratraining“ gelegen haben. Allerdings wurde der rechte Arm etwas schwer. In jeder Runde gab es einen riesigen dicken grünen „Haargummi“ – da muss man allerdings Megadicke und lange Haare haben. Jedenfalls war nach der vierten Runde mein ganzer Unterarm nur noch grün, flauschig – ein riesiges Schweissband halt :-).
Mir kam der Gedanke, das ich fast ein ganzes Jahr auf meine Form gewartet hatte … und jetzt schien sie zumindest gefühlt da zu sein. Manchmal ist das Leben halt doch ein Ponyhof 🙂
Unter Anfeuerungsrufen von Zuschauern und den Zwickauer Cheerleadern lief ich ins Ziel und fand es echt schade, das der Spaß schon vorbei war.
Die junge Frau, die ich auf dem Rad überholt hatte, kam erst nach mir ins Ziel. Aber eine andere Starterin, die schon im letzten Jahr auf der Laufstrecke an mir vorbei kam, hatte mich auf der Laufstrecke noch überholt. Sie wartete auf mich im Ziel und zusammen machten wir uns auf den Weg in die Wechselzone um schnell was Warmes zum Anziehen zu holen.
Und dann kam auch schon Karina ins Ziel.
Unser Ziel war es ja die AK Wertung zu gewinnen. Da wir bei den Voranmeldungen die einzigen Frauen in unserer AK waren, mussten wir also nur ins Ziel kommen. Allerdings gab es eine Nachmeldung für unsere AK. Und trotzdem standen wir oben 🙂
Karina hatte die 3. noch beim Laufen überholt.

Sehen wir nicht gut aus? 🙂

Als kleines Extra Bonbon gab es für mich noch den 3. Platz Gesamt 😯
Also das kann ja was werden in unserer Herbst- Wintersaison wenn das schon so anfängt 😆
Das Einzige was man negatives über den Zwickauer Triathlon sagen muss ist, dass es keinen Kuchen gibt. Also nach dem Wettkampf mal gemütlich das wohlverdiente Stück Kuchen essen und einen Kaffee trinken ist nicht 😐
So entschieden wir, bevor wir die Heimreise antreten wollten, die verlorenen Kalorien uns bei einer amerikanischen Fast-Food Kette wieder zuzuführen.
Danach ging es heim. Nur ein kleiner Stau sorgte für etwas Verzögerung. Karina wieder als Fahrer und ich für den Unterhaltungsteil zuständig. Müde waren wir eh nicht.
So ein kleiner Triathlon zum Saisonstart ist schon was feines 🙂

Advertisements

27 Gedanken zu „Frauensache

  1. Liebe Helge, liebe Karina,
    so, so, da tummelt ihr euch mal so eben in Dresden! 😉
    … „und am Besten aussehen würden wir sowieso“, in so schicken Swimsuits sowieso!
    Jetzt den Erfolg genießen, aber nicht abheben! :mrgreen:
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,
      fast richtig: Dresden liegt ja auch in Sachsen, aber ich komme aus Zwickau. Oder Zwigge wie der Zeickauer sagt 😆
      Und keine Angst wegen Abheben: wir bleiben ganz normale … Diven 😉
      Liebe Grüße
      Helge

      • Lieben Helge,
        geistige Umnachtung, oder so! – Die Woche ist irgendwie nicht meine Woche, sorry! 😥
        Aber trotzdem alle Achtung: rüber gerutscht, fast allen die Hacken gezeigt und dann sooo gut dabei ausgesehen! 😉
        LG Manfred

    • Ach weißt du Manfred, ob nu Dresden, Zwickau oder Buxtehude: Hauptsache wir sahen gut aus 😆
      Ich hoffe, dir geht es nach der Erkältung wieder besser 🙂

  2. Hallo ihr beiden,
    eigentlich war das doch ein Vierkampf, wenn ich die Fahrerei nach Zwickau und zurück dazunehme! Glückwunsch für einen schönen lockeren und zugleich mit ein wenig Ehrgeiz gewürzten Wettkampf! Wenn man mal immer so planmäßig aufs Stockerl huschen kann!
    Was ich nur nicht verstanden habe ist das mit den Haargummis…
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,
      4 Runden a 2,5 km musste man laufen und damit keiner betrügt, wurde pro Runde ein Haargummi um deinen Arm gemacht. So durfte man erst ins Ziel wenn man 4 davon hatte.
      Gängige Vorgehensweise beim Triathlon. Es soll echt Leute geben, die sonst nur 3 Runden laufen 😐
      Böse böse.
      Wir natürlich nicht. 🙂
      Liebe Grüße
      Helge

  3. Liebe Helge, liebe Karina,
    Gratulation zum Ergebnis, ein versöhnlicher Saisonabschluss, nein, ein grandioser Saisonstart 😀
    Ich finde es ja bewundernswert, dass ihr eine solche Leistung vollbringt, wenn ihr Bahnen schwimmen und Runden radeln und laufen müsst, Respekt!
    Und auch vielen Dank für die teilweise sehr amüsanten Gedanken während eines solchen Wettkampfes, die ihr hier mitteilt. Ich musste mehr als einmal schmunzeln.

    Salut

    • Lieber Christian,
      ja, wir mussten eigentlich während des ganzen Wettkampfes schmunzeln .. also zumindest wenn wir uns begegneten 😆
      Ich finde es auch lustig, das ich jetzt, fast am Ende eines langen Jahres irgendwie total fit bin. Wobei ich es nach Gefühl eher als „frisch“ interpretieren würde 🙂
      So ist das halt im Leben: mal läuft es, mal nicht so. Irgendwie auch grandios das man viele Dinge einfach nicht planen kann.
      Liebe Grüße
      Helge

  4. Liebe Helge, liebe Karina,
    ihr seht sowas von gut aus, auf dem Treppchen!!! 🙂
    Gratuliere zu dem super Saison-Start. Ich erinnere mich. Kopfsteinpflaster, Kehren, Wendestrecke… hihi! 😆

    Also eure Taktik ist ja voll aufgegangen. Hut ab, liebe Helge, dass du beim Schwimmen so drangeblieben bist. Und Karina, wow – so eine Radstrecke mit wenig Radkilometern in der Vorbereitung, stelle ich mir lieber gar nicht erst vor!!
    Schön, dass es wieder losgegangen ist bei euch beiden – ich freue mich schon auf weitere „Schandtaten“! 😉

    • Liebe Doris,
      jetzt werd ich doch rot, bei so einem Kompliment 🙂
      Die Radstrecke bei diesem Triathlon ist wirklich einmal. Langeweile ausgeschlossen.
      Ich war ja sowas von fest entschlossen Karinas Füße nicht außer Sichtweite zu lassen und habe auch keinen Meter Zweifel aufkommen lassen. Das war schon echt lieb von Karina das sie mich da gezogen hat 🙂
      Und ich glaube Karina nimmt nach diesem Wochenende Radfahren wieder ins Trainingsprogramm auf 😆
      Liebe Grüße
      Helge

  5. „Und jetzt kommt der witzige Teil des Triathlons: Die Radstrecke“, liebe Helge, bei Dir klingt das doch alles immer witzig, so als ob Sport überhaupt nicht mit Anstrengung verbunden wäre 😆

    Und dann noch wieder Erste in Eurer Altersklasse und die Helge überhaupt auf Platz 3, ich verneige mich erfurchtsvoll.

    Liebe Grüße ans Dreamteam
    Volker

    • Lieber Volker,
      also es klingt nur so bei mir. Anstrengend war es tatsächlich dann doch 😆
      Aber die Strecke ist wirklich einfach nur genial.
      Anstrengend genial 😉
      Liebe Grüße
      Helge

  6. Liebe Helge, liebe Karina,
    keine orangenen Badekappen? Das ist bitter und eigentlich schon fast ein Skandal. Aber trotz der widrigen Umstände hast du, liebe Helge, es ja auf’s Podium geschafft. Herzlichen Glückwunsch euch Beiden.
    Allerdings muss ich mich Elke anschließen, was war das mit den Haargummis? So eine Art Rundenzähler?
    Ein gradioser Bericht!
    Liebe Grüße,
    Irina

    • Liebe Irina,
      na zum Glück hat Karina mich durchs Wasser gezogen, sonst wäre das ohne orangefarbene Badekappe ein Elend geworden.
      Das ist wirklich ein Skandal. Ich muss dem Veranstalter mal schreiben das es so nicht geht 😆
      Genau, die Haargummis sind Rundenzähler. Siehe Erklärung oben bei der Antwort für Elke 🙂
      Liebe Grüße
      Helge

    • Ha, da sagst du was: ich habe Sonntag morgen noch nicht mal einen offenen Bäcker gefunden um Brötchen zu kaufen.
      Unglaublich. Morgens keine Brötchen, Mittags keinen Kuchen.
      Zwickau ist auch nicht mehr das was es mal war 😆

  7. Pingback: Podium und AK Platzierungen beim Zwickauer Triathlon | Tri Post Trier

  8. Schön mal wieder von euch Beiden im gleichen Wettbewerb zu lesen.
    Und ihr seid ja richtige Taktikfüchse ;-). Wie man sieht hat es sich ja auch gelohnt. Also herzlichen Glückwunsch zum Treppchen und den tollen Ergebnissen!
    Liebe Grüße
    Frank

    • Lieber Frank,
      ja, wir haben das von langer Hand vorbreitet und geplant 😆
      Nee, Spaß beiseite, ich wollte nur mal versuchen an Karina beim Schwimmen dran zu bleiben. Beim Schwimmen ist das ja erlaubt. Zum Glück für mich 🙂
      Und das wir beide dann zusammen auf dem Treppchen standen war total cool 🙂
      Liebe Grüße
      Helge

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.