Schlendern

In den letzten Wochen geht es bei mir ein bisschen drunter und drüber. Meistens drunter 🙄
Dieses ganze Cyber Gedöns hält mich mächtig auf Trab. Seit Wochen ist die gesamte Firma in Aufruhr so, als gäbe es nichts wichtigeres als diese Cyber Five Days. Und genau das ist es auch: Es GIBT nichts Wichtigeres!!! Jedenfalls nicht, wenn man in einer amerikanischen Firma im E-Commerce arbeitet. 😆
Als kostenloses persönliches Feature kam hinzu, das eines meiner größten Projekte, für welches ich in den letzten Monaten verantwortlich war, vorletzte Woche voll daneben ging. An einem Donnerstag Morgen, 1 Tag vor vertragsgerechtem Abschluss, fand ich durch Zufall einen Monster-Software-Fehler. Und in den 45 Minuten, die ich benötigte, um rauszufinden, das es nicht MEIN Fehler war, sondern der andere Vertragspartner sich diesen dicken Schnitzer erlaubt hat, bin ich sicherlich um 5 Jahre gealtert. 😯 Der Abschluss des Projekts ist jetzt auf nächstes Jahr verschoben. Solange brauchen die, um den Fehler zu beheben.
Und ich brauche so lange um mich vom Schock zu erholen 🙄
Aber nun sind es nur noch ein paar Tage. Dann ist alles vorbei. Dann entspannen sich alle wieder und ich habe wieder 11 Monate, um meine Arbeit zu genießen. Bis der Wahnsinn dann wieder von vorne losgeht 😆

Sportlich war dementsprechend wenig los die letzten Wochen. Letzten Donnerstag war ich nach mehreren Wochen völliger Abstinenz mal wieder schwimmen. Karina beantwortete meine Frage, ob sie eine Rettungsschwimmerausbildung hat, wahrheitsgemäß mit nein, und ich stürzte mich trotzdem mutig in die Fluten des Schwimmbades. In der Hoffnung, sie rettet mich auch ohne passende Ausbildung. Zum Glück habe ich die Stunde Schwimmen mit Karina überlebt. Aber meine Arme hinterher … 😯
Auch ins Fitnessstudio habe ich mich mal wieder getraut. Wobei meine Muskeln noch Tage später davon erzählten, das sie für sowas ganz und gar nicht gemacht sind 😆
Aber in ein paar Wochen haben sie sich bestimmt wieder dran gewöhnt das die Ferien jetzt wieder vorbei sind 😉
Das Laufen habe ich versucht nach meinem vermaledeitem Marathonversuch beizubehalten. Weil es läuft sich ganz gut gerade. Und wenn man schon nicht schwimmt und radelt (mein MTB war in der Werkstatt), dann muss man wenigstens Laufen, weil nur arbeiten geht nicht. Man muss ja manchmal einfach raus und sich bewegen. Und so sind die Bilder in diesem Beitrag auch ein bunter Mix aus den letzten Wochen. Die Natur war ja so herrlich.

Und nachdem die dritte Auflage von Tridreamteam meets Deichläufer aus diversen privaten verständlichen Gründen auf das nächste Jahr verschoben wurde, und ich irgendwie noch Bock auf einen längeren Lauf hatte, entschied ich mich, beim Uwersauer Trail die ziemlich neue Variante, den Mid-Trail, unter die Laufschuhe zu nehmen.
Der Mid-Trail war mit 32 km und 1100 HM ausgeschrieben.

Das einzige Bild, welches wir vor Ort gemacht haben 🙂

Am Sonntag also, bei knackigen 2 Grad, unglaublich klarem Himmel und einem frostigen Wind, ging Andi beim Uwersauer Ultra Trail (53km / 2100 HM) an den Start und ich ging 15 Minuten später mit 300 anderen auf die Strecke der kürzeren Variante. Und ich stand ganz hinten. Also wirklich ganz hinten, hinter mir gab es nur noch die Nordic Walking Teilnehmer. Ich wollte nämlich schlendern. 😆
Ja, ich wollte kein Rennen laufen, ich wollte einfach mal so durch die Gegend schlendern. Ich hatte ja theoretisch Zeit, bis Andi ins Ziel kam. Und diese wunderbare Natur dort …  traumhaft. Und es war herrliches Wetter. Gegen die Kälte war ich mit viel zu viel Kleidung gewappnet. Wenn man schlendert, wird einem nicht so warm.
Ich ging also als Letzte auf die Strecke. Und nahm mir vor, es wirklich wirklich ruhig anzugehen und zu genießen. Und immer zu laufen. Außer die wirklich steilen Kletterpassagen hab ich das auch gemacht.
Und trotz das ich alleine unterwegs war, hatte ich wirklich gute Unterhaltung. Z.B. durfte ich mehrere KM lang eine Gruppe von weiblichen Frankfurt Marathon Finishern (in ihren Finisher Shirts) beobachten, die offenbar ihre allerersten Trail Km liefen. Genau wie ihre Straßen-Laufschuhe. Für das Hoch oder Runter oder gar Matsch (es gab keinen  richtigen Matsch. Nur ein paar Stellen, die weicher als die anderen waren 🙄 ) waren sowohl die Schuhe als auch die Träger nicht geschaffen. Irgendwann konnte ich das Elend nicht mehr mit ansehen. Und lief vorbei 😆
Ich schlenderte weiter und ich merkte schnell, das ich einen wirklich guten Tag hatte. Es machte richtig viel Spaß durch die Luxemburgischen Ardennen zu laufen. Die Strecke ist ein Traum aus Hoch und Runter und wunderbaren Trails an Flüsschen entlang. Ich fühlte mich geradezu als schwebte ich. Die Sonne strahlte ihr schönstes Strahlen, nur da, wo sie noch nicht hingekommen war, da war der Boden oft gefroren. Das war ganz schön glatt. Ich war wirklich am Ende des Feldes und lief lange Zeit ganz alleine durch den Wald. Aber die richtigen Weg zu finden, der mit orangefarbenen Bändern markiert war, war nun wirklich keine Herausforderung 😀 . Orange zieht mich schließlich magisch an.
Noch vor der ersten Verpflegungsstelle bei Km 10 lief ich auf eine größere Gruppe auf. Dort war man schon schwer am kämpfen. Ich gab einer Läuferin, die sich völlig ausgepowert einen Hügel hochkämpfte, mein Gel. Weil bei 3 Verpflegungsstellen auf 32 Km und meinem Schlendertempo war mir klar, das ich kein Gel nehmen würde. Aber so hatte ich es nicht umsonst mitgeschleppt.
Mit jedem Km machte das Laufen mehr Spaß. Es war einfach so wunderbar leicht so durch die Gegend zu schlendern 🙂 . Es war irgendwie magisch. Freude pur.
Dann beobachtet ich einen Läufer, der eine Abkürzung nahm 👿 Der Weg führte am Fluß entlang und dann ging es rechts einfach quer durch den Wald hoch. Richtig hoch. Dieses Hoch, was man klettern muss und nicht laufen kann. Und dann ging es genau so wieder runter. Runter zurück zum Fluss. Ich hatte gesehen, das der Typ nicht abbog. Ich rief ihn, um ihm zu sagen, das er sich gerade verläuft. Aber er lief (besser er ging) weiter. Er war sehr auffällig gekleidet. Ein Oberteil in leuchtend orange und die Schuhe in der gleichen Farbe. Auch sonst eine auffällige Statur. Und als ich nach dem steilen Auf und Ab an die zweite Verpflegungsstelle bei Km 24 kam, da sah ich ihn wieder. Das Oberteil verstaut in seinem Rucksack, aber die hälfte hing raus. Und auch der Rest unverkennbar. Und da packte mich echt Wut. Ich ging zu ihm und sagte im leise, aber deutlich genug, das er ein Betrüger ist. Und das ich es weiß. Das ich es gesehen habe. Und das er ein Ar…h ist. Er klotze mich nur an und mir war klar, das er kein Wort verstanden hatte. Nicht ungewöhnlich bei einem Trail, wo viele Nationalitäten am Start sind. Also wiederholte ich jedes Wort in englisch. An seinen erst weit aufgerissenen und dann zusammengekniffenen Augen erkannte ich auch, das er nun verstanden hatte. Ich lief weiter. Er kam nie an im Ziel. Ich schätze er dachte, ich würde ihn verpetzen. Hätte ich nicht gemacht. Ich wollte ihn nur wissen lassen, das ich es weiß. Und am liebsten hätte ich diesem Blödmann die Jacke und die Schuhe weggenommen. Tss… böse Menschen sollten kein orange tragen dürfen 👿
Es gab aber auch noch sehr positive Begegnungen. Ich lief eine Weile hinter einem Läufer, der sich ständig mit irgendwas beschäftigte, was auf dem Boden lag. Nach näherem Hinschauen sah ich, das er einen Beutel mit sich führte und alle lehren Gelverpackungen einsammelte. Ja, unglaublich, es gibt Trailläufer, die ihren Müll im Wald lassen! Echt jetzt! Unglaublich, aber die Vollidioten sterben wohl nie aus. Aber es gibt halt auch diese, die darüber nicht meckern, sondern dagegen was tun. Er sammelte alles auf und trug es mit sich. Ich erklärte ihn zum Helden des Tages 🙂
Die letzten Km, die es nur noch hoch geht, liefen wir zusammen. Am Ende bestand er aber darauf, das ich vor ihm die Ziellinie überquerte. Anständig erzogen der Kerl 😆
Ich hatte gar nicht das Gefühl, viel gelaufen zu sein, ich hatte selten einen so lockeren Lauf. Schlendern fetzt! Macht einfach Spaß so unbeschwert durch die Gegend zu laufen. Nach 4 Stunden und 9 Minuten erreichte ich das Ziel und war noch fit wie ein Turnschuh. Als letzte gestartet und dann fast 60 Leute überholt. Das hat mal voll Spaß gemacht 😀
Spaßfaktor 10+++ 😆
Der arme Andi allerdings hatte so einen ganz anderen Tag. Vom ersten bis zum letzten Km musste er kämpfen. Ihm fehlte komplett die Leichtigkeit. Das er trotzdem seine Zeit vom letzten Jahr um mehr als 20 Minuten unterbot und sein Ziel, diesen Trail endlich mal unter 7 Stunden zu laufen auch sicher erreichte, spricht für sein Durchhaltevermögen. Außerdem lief er große Teile des Trails mit dem 4 Stunden Tempo-Macher aus Köln und hatte auch gute Unterhaltung. Insofern war der Trail für uns beide ein voller Erfolg.
Und jetzt muss ich noch bis nächsten Dienstag durchhalten. Dann ist der Wahnsinn vorbei. Gestern saß ich bis 23 Uhr am Rechner. Nachts beiß ich mir im Schlaf die Innenseiten der Wangen auf. Und tagsüber knabber ich mir die Finger wund. Es wird höchste Zeit, das ich zur gewohnten beruflichen Stressfreiheit zurückkehren kann 😆
Es wird höchste Zeit das ich auch beim arbeiten wieder etwas schlendern kann . 😀

Es gibt Tage, da verliert man …

und Tage, da gewinnen die Anderen 😆
Und dann gibt es noch die Tage, die könnte man getrost aus dem Kalender streichen und man würde sie nicht vermissen. 🙄
Ich wollte unbedingt Marathon laufen! Also „nur“ Marathon. Ohne stundenlange Aufwärmphase beim Schwimmen und Radeln. 2013 stand ich schon mal am Start eines Marathons. Zusammen mit 40000 anderen Bekloppten und Karina in Berlin. Allerdings wusste ich da schon, das ich KEINEN Marathon laufen würde, hatte ich mir doch 3 Wochen vorher beim Ironman 70.3 in Remich einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen.
Also lief ich damals in Berlin ein paar KM ganz locker und das nur, weil das Startgeld ja eh bezahlt war und weil jeder erzählte, Berlin Marathon wäre so toll. Ich fand es schrecklich, ich war heilfroh, das ich mit Ansage nach 9 km von diesen unglaublichen Menschenmassen fliehen konnte. Weiterlesen

Vom Feiertag und Marathon-Tag

Die letzte Woche hatte ich viel zu lachen.
Gut, ich lache generell viel, aber wenn man an einem Feiertag mit wunderbarem Herbstwetter eine MTB Tour mit 3 Granaten macht, dann wird es richtig lustig. Zumindest für mich 😆
Vereinschef Helmut, Terminator Bernd, Spaßvogel Volker und meine Wenigkeit wollten den 3. Oktober auf dem MTB zelebrieren. Trotz Feiertag musste ich morgens noch arbeiten, aber die Sonne kam eh erst am Nachmittag raus.
Ein Foto vor dem Start, das sollte uns nach der Tour das Zählen der Überlebenden erleichtern 😆
Vor der Tour konnten wir noch witzeln …

Da lachen sie noch …

Eine lockere chillige Tour sollte es werden. Allerdings stand das von Anfang an im Widerspruch zum Fahren mit Bernd und Helmut 🙄
Beide trainieren selten bis nie!!!!, sind aber permanent fit. Wie machen die das nur?
Naja, ich kenne das ja inzwischen, nur Volker ging noch etwas blauäugig an die Sache ran.
Helmut und Bernd gaben beide das Tempo vor. Das Tempo welches nicht wirklich chillig war. Und keiner wollte abreißen lassen 😆
Aber ich konnte mich nicht beschweren, ich kam einfach vor lauter Lachen nicht dazu mich über das Tempo aufzuregen. Volker tat auf seine unterhaltsame Art alles Nötige, um seinen Unmut über die Geschwindigkeit und Streckenlänge kund zu tun 😆
Was ihm allerdings von den Führenden nicht geglaubt wurde, schließlich „quatsche er ja permanent mit mir“. Ja klar! Was sollen wir denn sonst tun? Vor lauter Verzweiflung tot stellen? Warum meinen die Leute immer, wenn man während Anstrengung redet, hätte man noch mehr drauf? Dabei redet man doch nur, damit die anderen nicht die schlimmen Atemgeräuche hören 😉

Männer bei der Wegfindung.

Herrlich. Und wir lernten mal wieder, das der direkte Weg zurück zum Ausgangspunkt im Hunsrück manchmal über mindestens 7 Berge führt 😀
Die Tour war richtig toll. Bernd hat uns über eine wirklich schöne Strecke geführt. Die Höhenmeter waren nicht zu verachten und der Spaß kam definitiv nicht zu kurz. Im Anschluss hat Bernd’s Frau Miriam uns noch lecker verköstigt.
Und wie man sieht: wir haben vollzählig überlebt.

Wir sind noch nicht mal schmutzig geworden …

Andi war leider nicht dabei, weil Andi noch eine Laufeinheit auf dem Plan stehen hatte. Er hatte sich ja wieder den Marathon in Köln ausgesucht. Letztes Jahr hatte er es fast ohne Training versucht. Und war gescheitert. Er lief 21 km auf Kurs 4 Stunden, danach schleppte er sich nur noch ins Ziel. Das war dann wohl verdient. 🙂
Dieses Jahr wollte er es mal wieder mit Training versuchen. Zwar ging nicht alles glatt in der Vorbereitung, aber Andi hat zumindest trainiert.
Elke leistete mir Gesellschaft an der Strecke. Das machte es zum Einen sehr kurzweilig und zum Anderen kennt sich Elke sehr gut aus in Köln (im Gegensatz zu mir) und ersparte mir viel sinnloses Rumgelaufe 😆

Dieses Foto gab Andi den Anlaß mich ständig an den Friseur zu erinnern

Zum Glück für alle Läufer war es am Sonntag echt kalt im Vergleich zu allen Tagen davor und danach. Für Supporter war es eher zu kalt.
Nachdem Andi bei Km 24 immer noch locker aussah, wärmten Elke und ich uns in einem Kaffee auf. Zu erzählen gab es ja vieles. 🙂
Andi kam nach 3:55 irgendwas ins Ziel, was eine neue Bestzeit bedeutet, und war froh und zufrieden und irgendwie gar nicht wirklich kaputt 🙄

Hatte ich ihn letztes Jahr noch Trepp abwärts stützen müssen, lief er dieses Jahr wie eine junge Gazelle die Treppen rauf und runter. Training zahlt sich wohl doch aus. 😆
Nur eine Sache regte ihn auf: die Schwere der Medaille. Die war nämlich viiiiieeeeel zu leicht. Wir haben ja unseren Familieninternen Wettkampf laufen, wessen Medaillenlampe zuerst aus der Wand bricht. Und bisher konnte sich Andi immer mit relativ schweren Finishermedaillen von Stadtmarathons gegen meine doch recht zahlreichen Medaillen retten. Aber wenn die jetzt auch noch so leicht sind … 🙄
Da muss er wohl mehr Wettkämpfe machen 😆
Elke zeigte uns noch den kürzesten Weg zurück zum Hotel und verabschiedete sich dann. War ein sehr schöner Marathontag als Supporter an der Strecke.


Wir blieben noch einen Tag länger in Köln, ich konnte Montag früh dann bei wunderbarem Wetter eine schöne Runde am Rhein entlang laufen. War auch echt nötig. Das Frühstück im Hotel war einfach der Hammer 😀